Übernehmen Schuhe in Zukunft das Denken?

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Ignite Nürnberg 2014

Die Ignite Nürnberg lud wieder ins FabLab ein. Nach den kompakten Vorträgen folgte die Aufgabe des Abends: Schuhe bauen. Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)

Fab Lab lud zur Ignite Nürnberg ein und Schuhe entstanden im Team. Die Nürnberg Web Week Veranstaltung war spannend und inspirierend.

"In the past, shoes could stink. In the present, shoes can blink. In the future, shoes will think." Ein treffenderes Zitat wie dieses vom amerikanischen Physiker Neil Gershenfeld war für letzten Samstag-Abend wahrlich nicht zu finden. Im Fab Lab wurde mit der Ignite Nürnberg wieder einmal ein spannender und inspirierender Abend geboten.

Die langen Ignite-Abende auf dem Nürnberger AEG-Gelände sind geprägt von Offenheit, Innovation und Teamgeist. Während dieses Veranstaltungsformats entstehen Kräne aus Holz – die sich durch Wasser mittels Schläuchen und Spritzen bewegen lassen – oder auch Zahnbürstenroboter, welche um die Gunst des Publikums buhlen.

Mann Kind Frau Couch FabLab Nürnberg

Die Ignite ist für Kleine und Große ein Riesenspaß. Und wer nicht basteln möchte, macht es sich auf der bequemen Couch gemütlich. Foto: © Natalie Sevostianov / Nürnberg und so (cc)

Referenten Ignite Nürnberg

Lieferten spannende Kurzvorträge: Tim Schikora, Fabian Hänsch, Jürgen Weigert, Peter Scheffler, Gabriel Platt. Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)

Auch dieser Abend begann mit den Ignite Talks. In diesen kurzen Vorträgen, die sich am 20-Folien-20-Sekunden-Prinzip der Pecha Kucha Night orientieren, bekommt man so viel Infos zu neuen Technologien und Trends geliefert, wofür man sonst in einschlägigen Geek-Blogs Stunden zubringen müsste.

Die Ignite-Talks

Tim Schikora begann mit der Vorstellung des Emergency Wristbands. Als im letzten Jahr in einem Erlanger Waldstück eine Frau überfallen wurde, ließ Tim der Gedanke nicht mehr los ein einfaches technisches Hilfsmittel zu entwerfen mit dem künftig solche Gewaltakte verhindert oder zumindest dokumentiert werden können. Mit dem Band fürs Handgelenk können Dank modernster Rechenpower, Sensorik und Sendern im Miniaturformat u.a. Arduino Licht- bzw. Tonsignale oder auch die GPS-Koordinaten gesendet werden. Ein Prototyp davon wurde gezeigt und Tim und sein Team treiben das Projekt weiter voran.

Fabian Hänsch schilderte mit beeindruckenden Bildern und Animationen die Machbarkeit mehrdimensionaler Abbildungen von Gebäuden und Landschaften. Durch den Einsatz von Kopterkonstruktionen (z.B. Quadrokopter) oder Nurflüglern unter Zuhilfenahme aktueller Open Source Software sowie Kameratechnologie lassen sich autonom vordefinierte Routen abfliegen. Die dabei entstehenden Einzelbilder werden schließlich zusammen gefügt. Fabian stellte am Beispiel eines schweizerischen Projektes, wie aus diesen Fotos ein komplettes Modell entstand.

Das Matterhorn wird fotografiert, vermessen und ein 3D-Modell erzeugt. Video: © senseFly

Jürgen Weigert zeigte auf unterhaltsame Art, dass sich auch Tiere die Globalisierung zu Nutze machen. Mit modernen Transportmitteln wie Schiffen und Flugzeugen schafft es kleines und größeres Getier immer wieder ihren ursprünglichen Lebensraum zu verlassen und die Welt zu entdecken. Einige Fälle sollte man jedoch wohl eher als Eroberung bezeichnen. Denn wenn die ursprünglichen Bewohner verdrängt bzw. ausgerottet werden, muss man wohl von klassischem Verdrängungswettbewerb sprechen.

Windowfarming zur Nürnberg Web Week hat nichts mit Microsoft zu tun

Peter Scheffler stellte dem Publikum Windowfarming vor. Pflanzen selber gießen war gestern. Heutzutage und wohl auch zukünftig kann man die kleinen und großen Gewächse wohl sich selbst überlassen. Das kann zum einen mittels moderner Mikro-Rechenpower (z.B. raspberry pi) geschehen oder mit Unterstützung simpler Methoden der Marke analoger Eigenbau. Peter zeigte wie dies mit lackierten, durchlöcherten Kunststoffflaschen und Schwämmen sowie Granulat gelingen kann.

Zum Abschluss veranschaulichte Gabriel Platt, wie sich mit Dioden und Stoffen selbst Modeschöpfungen digitalisieren lassen. Quasi auf Knopfdruck verändert die vom Model präsentierte Kreation des Modedesigners ihre Form, bricht auf, wird aufgeblasen und blitzt.

Fünf Teams bauen Schuhe

Schuhe online bestellen und vor Glück schreien weil das Paket von Zalando tatsächlich vom Postboten gebracht wird? Total langweilig. Bei der Ignite Nürnberg wurden Schuhe selbst gebaut. Zuvor allerdings wurden die Teams gebildet. Dabei achtete Michael Niquè darauf, dass man möglichst nicht mit der eigenen Begleitung sondern mit anderen Ignite-Besuchern zusammen kam. So waren schnell fünf Teams gefunden und es gab noch eine Kurzeinweisung in die bereit stehende Technik sowie eine kleine Materialkunde. Alle Schuhbau-Gruppen erhielten einen Laptop an dem der Schuhsohlen-Grundriss gezeichnet wurde und alle Freiheiten sich am reichhaltigen FabLab-Fundus zu bedienen. Die Zeitvorgaben wurden genannt und der Schuhbau-Wettbewerb gestartet.

Team bastelt Schuhe FabLab Nürnberg

Trotz Zeitdruck volle Konzentration. Mein Team bei der Recherche und Konstruktion des Schuhmodells. Foto: © Natalie Sevostianov / Nürnberg und so (cc)

In den ersten zehn Minuten galt es so viele Ideen wie möglich zu generieren. Im Austausch mit den Mitgliedern des eignen Teams wurden Skizzen diskutiert, Materialeinsatz abgewogen und schlussendlich ein gemeinsamer Nenner beschlossen. In meinem Team einigten wir uns auf eine Sargform der Schuhsohle und einen stilisierten Totenkopf im Absatz. Grundlegend sollte unser Modell an einen Pantoffel 2.0 erinnern, zum reinschlupfen und mit einem Riemen zum Halt der Ferse. Um die Ergonomie nicht zu vernachlässigen entschieden wir uns für eine Zweischicht-Sohle. Zwischen beiden Sohlen sollte sich eine Luftpolsterung für federleichtes Gehen befinden. Nun nur noch schnell die Materialien (MDF-Platten, LKW-Plane, Gurt, Fahrradschlauch) zusammen gestellt und wir machten uns an die Arbeit.

Kooperation ist das A&O einer erfolgreichen Zusammenarbeit

Mit Menschen das erste mal zusammen zu arbeiten erfordert Verständnis für das Gegenüber, Aufgeschlossenheit, Wille zur Kommunikation und Kompromissbereitschaft. Aufgrund der festen Zeitvorgabe sollte man auch bereit sein vom ursprünglichen eingeschlagenen Weg abzuweichen und wegen unvorhersehbarer Ereignisse flexibel zu agieren. So entwarfen wir am Computer unsere Grundformen für die Sohle. Für Größenverhältnisse wurde an einem unserer eigenen Schuhe Maß genommen. Im selben Arbeitsschritt entstand der Totenkopf. Die Daten wurden per FabLab-Netzwerk an den Lasercutter gesendet und dieser arbeite sich stur durch die beiden MDF-Platten. Aus der ehemaligen Werbeplane suchten wir uns die schönsten Stücke heraus und fertigten mit Edding und Cutter das Schuh-Obermaterial. Auch die Gurte wurden zurecht geschnitten. Zusammengelegte Fahrradschläuche wurden zwischen die Sohlen geschoben und alles zusammen per Tacker arrangiert und befestigt. Was so einfach beschrieben ist, war eine echte Herausforderung, die zum Ende hin stressig aber gut gemeistert wurde. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Pantoffel 2.0 selbst gebaut

Der Pantoffel 2.0, selbst gebaut und mit Stolz präsentiert. Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)

Die Ignite Nürnberg endete mit einer Präsentation der fünf Schuhmodelle durch einen Vertreter des jeweiligen Teams, viel Applaus sowie einer kleinen Schuh-Modenschau auf dem zum Catwalk umfunktionierten Gang des FabLab Nürnberg. Mein persönliches Fazit: Es war ein großer Spaß, ein interessanter Abend und ich werde wieder dabei sein. Zeitgleich ermuntere ich jeden Bastler und Neugierigen vorbei zu kommen und sich an der Ignite Nürnberg zu beteiligen. Vielleicht kann dann auch jemand eine Einschätzung abgeben ob Schuhe in Zukunft das Denken übernehmen.

Bilder von der Ignite Nürnberg

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