Im Herzen von Johannis: Zwischen Johannisstraße und Friedenskirche

Veröffentlicht am von und Sebastian Gulden
Friedenskirche

Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ kreuzt 1931 über der Nürnberger Friedenskirche. Foto: © Verlag Georg Nickel (cc)

Ein Anblick, der nicht nur die Herzen der Johanniser höherschlagen lässt: Seit heuer 89 Jahren hat der Nürnberger Stadtteil St. Johannis mit dem Palmplatz und der Friedenskirche seine Mitte, wo gebetet, getollt und gefeiert wird.

Als Fotograph Ludwig Schaumann aus der Johannistraße 19 um 1930 ein neues Motiv für seinen Ansichtskartenhandel suchte, pickte er sich eine der Schokoladenseiten seines Viertels heraus, noch dazu eine, die es damals erst wenige Jahre in dieser Form gab: die Blickachse zwischen Johannisstraße und Palmplatz.

Eine feste Burg

Auf beiden Aufnahmen unserer Vorher-nachher-Bildfolge ragt im Hintergrund die 1928 eingeweihte Friedenskirche, die „Stadtkrone“ von St. Johannis auf. Mit ihren trutzigen Ziegelmauern und den erhabenen romanischen Formen von Architektur und Bauschmuck ist sie steingewordene Auslegung von Luthers Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“. Ihr Schöpfer German Bestelmeyer rückte den mächtigen Glockenturm in die Flucht der Hallerstraße, so dass er den Blickfang für beide Teile der Straße bildete.

Ortskundige werden einwenden: „Hallerstraße?“ Ja, denn damals reichte die Hallerstraße vom Bieling- über den Palmplatz bis zur Johannisstraße. Erst 1984 hat man ihren südlichen Abschnitt als „Innere Hallerstraße“ abgetrennt und den Palmplatz für den Durchgangsverkehr gesperrt. Dafür ist vor der Kirche ein Spielplatz entstanden, an dem die Kinder aus der Nachbarschaft umhertollen können, während es sich die Altvorderen im Schatten der Bäume zum Plauschen bequem machen.

Ausblick von der Johannisstraße zum Palmplatz, aufgenommen zwischen 1928 und 1932 und 2016.

Ausblick von der Johannisstraße zum Palmplatz, 1928/1932 und 2016. Fotos: © Ludwig Schaumann (1928/1932, Leihgabe von Werner Jülka) — Boris Leuthold (2016) (cc)

Mondänes Johannis

Anders als auf der Südseite der Johannisstraße, wo sich bauliche und gartenkünstlerische Spuren der berühmten „Hesperidengärten“ bis in unsere Zeit erhalten haben, erinnert hier nichts mehr daran, dass die Gegend rund um die Friedenskirche einst von niedrigen Gartenhäusern, Bauernhöfen, Äckern, Obst- und Gemüsegärten geprägt war.

Denn damit war um die vorletzte Jahrhundertwende Schluss, als die Johannisstraße sich zur großstädtischen Promenade mauserte. Die Nähe zur Altstadt und dem weltbekannten Johannisfriedhof zog wohlhabende Neubürgerinnen und -bürger an. Die damals hochmodernen Mietspaläste auf unserer Bildfolge sind in ihrer Gestaltung typisch für die Zeit um 1900/1910: Putzflächen dominieren die Fassaden; Bauschmuck in Sandstein mit dezenten Jugendstilformen kommt nur punktuell, dafür umso wirkungsvoller zum Einsatz.

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Vom Krieg gezeichnet: Das Haus Innere Hallerstraße 5 musste nach 1945 rundumerneuert werden. Foto: © Sebastian Gulden (cc)

Das prägnante Eckhaus im Mittelgrund links, in dem heute das Café Dampfnudelbäck zu Hause ist, wurde 1904 nach Plänen von Hans Ebert errichtet. Das Panoramafenster im Dachgeschoss, das an einen überdimensionierte Fledermausgaube erinnert, kam erst in jüngerer Zeit hinzu.

Die Kärwa is kumma!

Die Hoffnung auf Frieden, der die Johanniser Pfarrkirche ihren Namen verdankt, hat sich nicht erfüllt: Kaum 16 Jahre nach ihrer Weihe verwüstete der Luftkrieg den Palmplatz und sein Umfeld. Einige Häuser an der Inneren Hallerstraße wurden zerstört und mussten vereinfacht oder ganz neu wiederaufgebaut werden.

Wenn sich alljährlich am 23. Juni die Johannisstraße, der Palmplatz und die Innere Hallerstraße für sechs Tage in einen Festplatz verwandeln, werden ohnehin nur wenige an diese dunkle Zeit zurückdenken: Dann nämlich begehen die Johanniser und ihre Gäste das Fest ihres Patrons, des Heiligen Johannes des Täufers, der dem Stadtteil, dem Friedhof und der alten Friedhofskirche seinen Namen gab.

Die Kirchweih gab es schon, da standen weder die Friedenskirche noch die Mietspaläste drumherum. Und noch heute wird dabei nicht nur gebetet, sondern auch – wie Wirt August Denneque schon anno 1828 anpries – bei „rauschender Tanzmusik“ sowie „vortrefflich schmackhaften Würsten“ und noch viele anderen Annehmlichkeiten für Jung und Alt das Leben gefeiert.

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