Avenue nach Großreuth: Die Rollnerstraße

Veröffentlicht am von und Sebastian Gulden
Rollnerstraße

Vorgärten und schmucke Mietshäuser an der Rollnerstraße, 1905. Foto: © anonym (Leihgabe von Werner Jülka) (cc)

Die Rollnerstraße gehört zu den wichtigen nördlichen Ein- und Ausfallstraßen Nürnbergs. Um 1900 mauserte sich die staubige Landstraße nach Großreuth hinter der Veste zu einer großstädtischen Avenue mit Mietpalästen und Vorgärten.

Als unser historisches Bild aufgenommen wurde, da waren die Zeiten, in denen die Rollnerstraße noch den beschaulichen Namen „Rollnersgasse“ trug, vorbei. Der Rollnersgarten, nach dem die Straße einst benannt worden war, und seine Gastwirtschaft waren längst Geschichte. Großstädtische Mietshausbebauung, grüne Vorgärten und Fabrikbetriebe wie das Brauhaus Nürnberg (später Tucher Bräu) wuchsen zu beiden Seiten der alten Landstraße in die Höhe.

Die meisten der Mietshäuser in diesem Abschnitt der Rollnerstraße entstanden um 1900, als sich die Stadt Nürnberg mehr und mehr in die nördlichen Außenbezirke auszubreiten begann. Das himmelblaue Haus (auf beiden Fotos das zweite von links) ließen sich der Bauflaschnermeister Hans Mackel und seine Frau Margaretha errichten. Den Grund hatten sie dem Bleistiftfabrikanten und Grundbesitzer Gustav Adam Schwanhäußer abgekauft. Die Mackels bewohnten das Anwesen nicht selbst, sondern nutzten es – wie so viele ihrer Nachbarn – als Kapitalanlage. Mit der Planung betrauten sie 1903 niemand geringeren als Georg Richter, den Schöpfer des Hotels Maximilian in der Lorenzer Altstadt.

Die Rollnerstraße, von Haus Nr. 37 aus gegen Norden gesehen, 1905 und 2016.

Die Rollnerstraße, von Haus Nr. 37 aus gegen Norden gesehen, 1905 und 2016. Fotos: © anonym (1905, Leihgabe von Werner Jülka) – Boris Leuthold (2016) (cc)

Die beiden Nachbarhäuser Rollnerstraße 37 und 39a – auch sie wurden von Richter geplant – waren fast spiegelbildlich gestaltet und rahmten das Mackel’sche Anwesen wie Seitenflügel ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Hauseigentümer für diese städtebauliche Finesse offenbar weder Sinn noch Geld. Beide Häuser wurden so unterschiedlich wiederaufgebaut, dass man schon zweimal hinschauen muss, um das einstige Gestaltungskonzept erkennen zu können. Der schöne Fassadenschmuck aus Stuckreliefs im Jugendstil ist nur noch am mittleren Gebäude erhalten; es steht heute unter Denkmalschutz.

Die Vorgärten der Zeit um 1900 hat man später dem Straßenverkehr und Parkplätzen geopfert. Die Stadt Nürnberg hatte hier schon früh vorgesorgt und die Vorgärten den Anrainern zumeist nur zur Nutzung überlassen, sich das Eigentumsrecht jedoch vorbehalten. Gerade in der Rollnerstraße hatte die Stadt früh Lehrgeld in Sachen Baulinienplanung zahlen müssen: Ein unwissender, vielleicht auch dreister Häuslebauer hatte 1873 sein Eigenheim (Nr. 26, an der Einmündung der Reuterstraße) so platziert, dass eine merkliche Engstelle in der Straße entstand. Das ist noch heute so, denn das Haus hat den Krieg unbeschadet überstanden.

Das Eckhaus Rollnerstraße 43, 2013.

Das Eckhaus Rollnerstraße 43, 2013. Foto: © Boris Leuthold (cc)

Den meisten anderen Häusern in der Rollnerstraße erging es im Bombenkrieg weit weniger gut. Gegenüber dem Mackel’schen Anwesen hat man wohl in den 1960er Jahren einen ganzen Block mit Wohn- und Geschäftshäusern hochgezogen. Dennoch: Unter dem Nachkriegsputz, der die Narben des Krieges schamhaft verdeckt, verbergen sich noch viele Gebäude des Historismus. An vielen Stellen wurde der ursprüngliche Dekor abgeschlagen – die Fassaden „geglättet“, wie man so sagt.

An der Einmündung der Schweppermannstraße (im Mittelgrund links) hat das mächtige Eckhaus Nr. 43 mit rundem Erkerturm die Stürme der Zeit überstanden. Ganz ohne Schäden kam auch dieser Prachtbau nicht davon, doch hat man sich beim Wiederaufbau redlich bemüht, den ursprünglichen noblen Eindruck mit den reich gegliederten Sandsteinfassaden zu bewahren. Nur die Welsche Haube mit Laterne, die den Turm einst bekrönte, musste durch einen einfachen konischen Aufsatz ersetzt werden.

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