Nürnberger Startup erfolgreich im Silicon Valley

Veröffentlicht am von
Bespoke San Francisco

Coworking Space BESPOKE im Herzen von San Francisco. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Das Team von Dress and Friends machte sich vor ein paar Monaten auf, um sich in den USA und insbesondere im Silicon Valley umzuschauen. Ihr erster Zwischenstopp war eine Gründermesse in Las Vegas. Das Ziel für die Tage im Land der Gründer war es Erfahrungen zu sammeln und ein Gefühl zu bekommen, wie das eigene Produkt international ankommt.

Titelbild Shark Tank

Startup Showcase „Shark tank“. Foto: © AplaZ.com

„Die Mentalität ist komplett anders” weiß Markus Römer von Dress and Friends zu berichten. Wir sitzen gemütlich in ihrem Büro direkt an der Grenze von Nürnberg und Fürth und unterhalten uns über die Erfahrungen, die das ganze Team in den USA gemacht hat. Besonders auffällig ist die stark unterschiedliche Beziehung zwischen Investor und Gründer. Während in den USA der Gründer auf der Bühne steht und Investoren daran interessiert sind zu investieren, ist es in Deutschland komplett umgekehrt. Hier müssen die Gründer um Geld betteln und werden eher wie eine lästige Plage abgetan. Ganz anders in den USA. Dort sehen die Investoren in jedem engagierten Gründer die Chance auf ein neues Google oder Facebook. Daher kommen beide Seiten schneller zusammen und als Startup erhält man auch erst einmal die Chance sich zu beweisen. In Deutschland hingegen scheut der Investor das Risiko wie der Teufel das Weihwasser und jeder Gründer sollte am besten schon mehr Geld erwirtschaftet haben, als der Investor bereit ist zu zahlen.

In Deutschland scheut der Investor das Risiko wie der Teufel das Weihwasser.
SoMo vom Hafen aus

Das Tor zu „South of Market“ vom Hafen San Francisco aus. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Dieser Mentalitätsunterschied zeigt sich auch sehr stark in der Vorleistung, die Startups in der Region erbringen. Markus Römer war sehr überrascht, als viele Startups ihren kurzen Pitch absolvieren und nur eine Idee oder ein Konzept vorstellten. Dress and Friends dagegen faszinierte die Bay Area, weil es ein schon fertiges Produkt war und ist. Ohne Investorengelder einen solchen Stand zu erreichen faszinierte viele. Vielleicht auch, weil es die von Markus gerne genutzten deutschen Tugenden so deutlich machte. Auch wenn wir es selber nicht mehr hören können, so ist der Deutsche international immer noch als fleißig und zuverlässig hoch angesehen. Dass Deutsche diese Tugend haben, kann man auch gut einsetzten, rät Markus. Jetzt nicht unbedingt immer und überall, aber als kleines AddOn zur richtigen Zeit bewirkt das Wunder.

pitchen, pitchen und pitchen – überall!

Im Gegensatz zu Deutschland, bist du den ganzen Tag damit beschäftigt, dein StartUp zu pitchen, egal ob im Cafè oder auf der Bühne. Das Leben ist eine einzige Bühne und gerade das zeigt sich im Silicon Valley ganz besonders. Nutzt jede Chance für einen Pitch und achtet dabei ganz genau auf die Reaktion eures Gegenübers. Amerikaner denken nicht nur durchwegs positiv, auch ihre Wortwahl ist dementsprechend. Ihr werden dort nie hören, dass eure Idee schwachsinnig ist – höchstens ein „is okay“, was schon eine sehr negative Aussage ist. Wichtig im Gespräch ist es auch, dass ihr eurem Gegenüber immer und jederzeit zeigt, dass ihr aufmerksam zuhört. Ein „mhhm“, „oh yes“ oder bestätigendes Nicken immer und immer wieder hilft beiden Seiten.

Finanzdestrict von San Francisco

Blick in die Hochhausschluchten von San Francisco. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Bei all den positiven Eigenschaften der Deutschen gibt es auch negative. So solltet ihr nicht zu sehr in die Details gehen, denn diese interessieren dort nicht. Das klingt paradox, sind es doch gerade die Details, die in Deutschland so gefordert werden. „Ihr habt euch nicht wirklich Gedanken gemacht„ oder „Die Idee ist noch nicht durchdacht genug“ bekommen Startups zwischen Flensburg und Garmisch jeden Tag zu hören. Viele haben das schon so verinnerlicht, dass es schwer ist, davon zu lassen. Wer jetzt denkt, dass das dann einfach ist, der sollte einmal versuchen, seine Idee in 90 Sekunden begeisternd zu präsentieren. Mit Sicherheit klappt das nicht beim ersten Mal. Es kommt bei diesen 90 Sekunden darauf an, eure Idee kurz zu umreißen, den USP zu zeigen und mit Erreichtem zu begeistern. Was ihr in 90 Sekunden nicht schafft, schafft ihr auch nicht in 10 Minuten. Somit ist üben üben angesagt. Und genau das könnt ihr auf den zahllosen Events in der Region machen. Nicht nur in San Francisco gibt es tägliche Pitch-Events, auch in Oakland oder im Silicon Valley werdet ihr fündig. Einmal dort, wird euch die Begeisterung anstecken und mitreißen…

Business Angels investieren in der Bay Area auch mal 500.000 Dollar.
Union Square in San Francisco

Der Union Square zieht nicht nur Touristen an, sondern auch zahlreiche Startups, denn nur ein paar Meter entfernt findet das beliebte Event „Shark tank“ statt. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Der vielleicht interessanteste Unterschied zu Deutschland ist die Investitionshöhe. Business Angels investieren dort auch mal 500.000 Dollar und knausern nicht mit jedem Cent. Ihr kommt viel einfacher ins Gespräch vorausgesetzt, ihr legt eure typische Zurückhaltung ab. Wie schon oben beschrieben, verkauft ihr die ganze Zeit. Zurückhaltung und Abwarten können die meisten dort nicht verstehen. Ein sehr beliebtes Event, das voller Investoren ist, ist „Shark tank“. Mitten in „SoMa“ San Francisco gelegen ist es im Herzen der Startup Szene. Umgeben von Dropbox, Twitter, Uber, Foursquare und vielen anderen fühlt man auf jedem Quadratmeter den Gründergeist. Ganz egal, ob man zusammen mit zahlreichen anderen in Philz Coffee sitzt und sein „Business“ voranbringt, alle arbeiten an der Umsetzung ihrer Idee, ihres Traums. Markus Römer nutzte auch seine Chance und erkämpfte sich einen der begehrten Slots für einen Pitch im „Shark tank“. Jetzt war Übung angesagt und nach den verschiedensten begeisterten Kontakten zu führenden Startup-Managern war der Zeitpunkt gekommen für den Pitch im „Shark tank“.

Das Üben hat sich gelohnt. Die ganze Zeit, in der das Team vor Ort war, wurden Investoren begeistert, die gerne investiert hätten. Dass sich alle dann schließlich gegen ein Invest aus den USA und den dadurch unumgänglichen Umzug in die Staaten entschieden haben, war nicht entscheidend. Markus betonte, dass sie ihren jetzigen deutschen Investor erst durch ihre Reise ins Silicon Valley gewinnen konnten.

Die Zeit in Kalifornien hat Markus und dem ganzen Dress and Friends Team die Augen geöffnet und geholfen, ihr Produkt weiter voranzubringen. „Gerade die Verhandlungen mit Investoren zurück in Deutschland führten wir viel selbstbewusster als vorher“ weiß Markus zu berichten. Kein Wunder, dass Dress and Friends kurz nach ihrer Rückkehr den Deal mit ihrem neuen Investor unter Dach und Fach brachten.

San Francisco Castro Theater

Für Sight Seeing war nicht viel Zeit. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Blog abonnieren
'Nürnberg und so' Blogfeed abonnieren

Zusätzlich zu dem Podcast stellt 'Nürnberg und so' auch immer wieder begleitende Geschichten und Informationen aus der Metropolregion Nürnberg vor.

Blog-Artikel als RSS Feed abonnieren

Du willst nichts verpassen?
Anmeldung E-Mail Newsletter 'Nürnberg und so'

Anmeldung zum E-Mail Newsletter

Sätze für die Ewigkeit
Podcast Nürnberg und so
Gleichschritt ist Rückschritt. Wir müssen immer einen Schritt voraus sein.
Volker Waltmann in Sendung No. 22
Mein Chef hat mich gekündigt, hat es aber gut gemeint.
Christian Ullrich in Sendung No. 26
Motiv Drache – Hier hast du deine Schwiegermutter im Cappuccino.
Christian Ullrich in Sendung No. 26
Letzte Podcast Sendungen
Nürnberg und so

Jörg Korinek / Podcast-Sendung No. 32

Veröffentlicht am 05.05.2015

Den geborenen Göppinger lockte ein Praktikum in die Frankenmetropole. Dem Weg zum Informatik-Studium gingen einige bundesweite Schulaufenthalte voraus, bei denen er Orientierung gewann und diverse…

zur Sendung No. 32

Roland Rosenbauer / Podcast-Sendung No. 31

Veröffentlicht am 11.02.2015

Aus Cadolzburg kommend, finanzierte er sich mit dem "Ruf der Unendlichkeit" oder der "Rache des Knochenmannes" seine Schulzeit. Trotz BWL Studium landete er schließlich beim Jugendfunk des…

zur Sendung No. 31

Aktuelle Magazin-Artikel
Nürnberg und so

Viermal Gibitzenhof: Der Dianaplatz und seine Umgebung

Veröffentlicht am 18.09.2017

Der Dianaplatz in der Nürnberger Südstadt ist nicht nur Verkehrsknotenpunkt. Der Platz und sein Umfeld markieren auch den Kern des alten Dorfes Gibitzenhof, das sich ab dem 19. Jahrhundert zu einem…

weiterlesen

Frau Höflers neue Kleider: Ein Eckhaus im Rennweg

Veröffentlicht am 04.09.2017

Um 1900, als noch niemand an Internethandel und Shopping Malls dachte, war der kleine Laden um die Ecke ein vertrauter Anblick. Ein besonders hübsches Exemplar dieser aussterbenden Spezies stand im…

weiterlesen

Klassizismus in Serie: Die Lindenaststraße 58 und ihre Nachbarn

Veröffentlicht am 21.08.2017

Architektur in Serie gab es schon vor über 100 Jahren. Sie sparte Geld und sah – einen verständigen Planer vorausgesetzt – dabei auch noch hübsch aus. Ein sehenswertes Beispiel gehobener…

weiterlesen

Prunkfassaden für das neue Nürnberg: Mietspaläste in Schoppershof

Veröffentlicht am 07.08.2017

Als Nürnberg um 1900 seine alten Grenzen sprengte, entstanden auf der grünen Wiese neue Stadtteile mit mehrgeschossigen Wohnhäusern und prunkvollen Fassaden. Viele von ihnen erhielten reichen…

weiterlesen