Vom Food Truck zur Food Bar ­- Bunte Burger Köln

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Foodtruck Bunte Burger aus Köln

Wie zwei Ingolstädter Sandkastenfreunde über ihr gemeinsames Studium in Franken schließlich in Köln mit einem veganen Food Truck starteten. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so

Ulrich und Mario hatten sich das niemals so vorgestellt. Noch während ihres Studiums träumten beide von einer Karriere im Management. Beide begannen entsprechend ambitioniert und Mario promovierte sogar in England. Mehrere Jahre Berufstätigkeit im nationalen und internationalen Umfeld und langsam schlich sich die Frage ein: „Was machen wir hier überhaupt?“. Es vergingen dann doch noch einige Jahre, bis es beide wagten einen Schlussstrich unter ihre bisherigen Karrierebemühungen zu ziehen.

Arbeiten im Foodtruck

Viel zu tun, wenn zahlreiche Bestellungen eingegangen sind. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Überzeugt von der vegetarischen und veganen Lebensweise machten sie sich auf die Suche nach einer überzeugenden Möglichkeit, Burger auch anders genießen zu können. Oder poetischer ausgedrückt: sich auch als Veganer dem Genuss zwischen zwei Brötchenhälften hingeben zu können. Mittlerweile in Köln angekommen, fanden sie dort jedoch keine Möglichkeiten vor und so nutzten sie ihre Motivation zur Veränderung und setzten selbst das in die Tat um, wonach sie schon lange gesucht hatten, nämlich einen eigenen veganen Burger Truck. „Bio und vegan ist für uns beide eine Lebenseinstellung“ erklärte mir Ulrich bei gefühlten minus 20 Grad am Kölner Öko-Markt. Die Anfänge waren nicht einfach, denn zum einen mussten neue Rezepte entwickelt werden, und zum anderen gab es wegen angeblicher Geruchsbelästigung eine Reihe von Beschwerden der Anwohner. Die Edelboutiquen hier am Rudolfplatz hatten Angst, dass dieser „Gestank“ ihre Kunden verschrecken könnte. Vielleicht haben es die vegetarischen bzw. veganen Alternativen da doppelt schwer. Wenn man bedenkt, dass die Fette Kuh in Kölns Altstadt Süd einen ganzen Stadtteil aromatisieren darf.

Eigentlich ist die Hochburg der Food Trucks doch Nürnberg, denn was da abgeht ist enorm!
Logo Bunte Burger Foodtruck

Foodtruck Bunte Burger Köln - so schmeckt Leben! Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

„Die meisten veganen Burger, die wir probierten, waren nicht wirklich lecker“ beschrieb Ulrich seinen Probiermarathon, „dabei kann man gerade Burger immer geschmackvoll zubereiten, egal ob mit Fleisch, vegetarisch oder vegan“. Ausgangspunkt der Kreation ist immer das Patty, das auch das Thema des Burgers vorgibt. Je nach Hauptzutat entsteht dann eine eher italienische, eine chinesische oder bayerische Variante. Diese Region steht ebenso Pate für die weiteren Burger-Zutaten. Die beiden Pestoliebhaber haben sich viel Mühe gegeben, ihre Kreationen nicht nur geschmacklich, sondern auch thematisch abzustimmen. So verwendet der „König Ludwig Alpen Burger“ als Patty Seitan das Klebereiweiß des Weizens. Diese, ursprünglich von chinesischen und japanischen Zen-Buddhisten entwickelte Alternative zu Hühner- und Schweinefleisch, hat eine fleischähnliche Konsistenz. Seitan wird von vielen – wenn richtig gewürzt – als echter Fleischersatz beschrieben. Bei manchen Verkostungen konnten einzelne Probanden das Seitan „Fleisch“ nicht von herkömmlichem Fleisch unterscheiden. Seitan ist also ein thematisch guter Ausgangspunkt für einen Burger aus dem Land der Haxen und des Schweinebratens. Dazu kommen noch Radieschen, Schnittlauch, süßer Senf und neben dem Senf-Petersilien Pesto aus Sonnenblumenkernen noch weitere Zutaten.

Foodtruck Bunte Burger beim Verkauf

Truck Rules, Versprechen und Menü auf einem Blick. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Gerade der Öko-Markt am Rudolfplatz im Herzen Kölns ist ein hervorragender Standort für einen Foodtruck. Hier kommen viele Interessierte vorbei die auch bereit sind Neues zu probieren. Egal ob Vegetarier oder Normalo: Jeder der auf den Öko-Markt kommt, schätzt gute Qualität. Dass der Burger allgemein so beliebt ist liegt wohl auch daran, dass er nicht als Ersatz für bereits bestehende Fleischvariationen angesehen wird, sondern eine eigenständige Kreation darstellt. Ulrich ist sich des guten Geschmacks seiner Burger sehr sicher. Manch einem skeptischen Gast bietet er an, doch erst mal zu probieren und wenn der Burger nicht schmecken sollte, gibt es das Geld zurück. Quasi eine Geld-Zurück-Garantie. Bisher ist ihm aber noch kein Fall unter gekommen, bei dem er das Geld wirklich wieder zurückgeben musste.

„Plaudern über Vegane Burger und so“
Arbeiten im Foodtruck

Die ersten Schritte zum Don Corleone Italo Burger. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Alle Zutaten sind Bio, darauf sind die beiden Ingolstädter-Kölner sehr stolz. Die Buns kommen sogar von einem Bäcker, dessen Verkaufswagen nur einige Meter entfernt steht. Die Buns wirklich gut vegan zu produzieren ist eine echte Herausforderung. Ohne Ei, Milch und Butter fehlen die entscheidenden Zutaten für die Brioche ähnliche Konsistenz. Eine Kopie ist nicht möglich und so entschieden sich Mario und Ulrich, wie bei ihren Burgern auch, für eine eigene Kreation, die außen stabil und kross und innen saftig und fluffig ist. Die meisten Zutaten stammen von einem Bio-Großhändler im nahegelegene Hürth. Die übrigen, nicht regional erhältlichen Zutaten, werden über gesicherte Bio-Händler eingekauft. Ulrich berichtete mir auch von Kreationen, die zwar lecker schmeckten, deren Zutaten aber nicht zu einem akzeptablen Preis in Bioqualität erhältlich waren. „Dann scheidet dieser Burger eben aus, so leid es uns tut.“ entschied er.

"Nürnberger Food Trucks sind
recht fleischlastig" (Ulrich)

Zur Food Bar mit Crowdfunding

Pattie von Don Corleone Italo Burger

Die nächsten Schritte zum Don Corleone Italo Burger. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Neben dem Foodtruck planen die beiden veganen Burger-Pioniere auch ein Restaurant, dass sie mit Hilfe von Crowdfunding finanzieren möchten. „Natürlich bleibt der Truck erhalten“ beruhigte mich Ulrich. „Der Truck ist das Herz unserer Aktivitäten, aber immer häufiger kommen Gäste an den Truck die auch nach einer festen Location fragen.“ Während meines Gespräches mit den Beiden wurden schon fleißig Filmaufnahmen für die auf Start-Next angelaufene Aktion gemacht. Der Gourmetanspruch des Food Trucks soll hierbei natürlich erhalten bleiben. Im Restaurant will die Food Bar aber auch zum Verweilen einladen und eine Spielecke für ihre Kinder soll für zusätzliche Entspannung bei den Eltern sorgen. Der Standort steht schon fest. Köln Ehrenfeld ist vielleicht nicht mehr so zentrumsnah, aber dennoch sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Für alle Backer – also die Teilnehmer der Crowdfunding Kampagne – gibt es unterschiedliche Belohnungen. Je nach Höhe der Unterstützung vom Verzehrgutschein, privaten Konzerten bis hin zur Burger-Flatrate.

Mercedes Benz 307

Der über 30 Jahre alte Mercedes Benz 307 als Oldtimer noch im Einsatz. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Zurückblickend begann die ganze Erfolgsgeschichte mit den Planungen für den Food Truck Anfang 2014 . Zu dem Zeitpunkt waren die Preise für klassische Food Trucks schon stark angestiegen und so kam die Alternative aus Berlin ganz recht: Ein über 30 Jahre alter Mercedes Benz 307, der schon als Oldtimer mit einer Verkaufsklappe und einer fachmännisch installierten Gasanlage ausgestattet war. Das Küchenkonzept konnte von beiden in Eigenleistung umgesetzt werden. 25.000 Euro später ging es dann, nach dem Launch-Event, Ende April 2014 auf die Straße mit dem Foodtruck. Beide waren sich einig, dass das Schwierigste zu Beginn das Sammeln und Sortieren der unterschiedlichen Informationen und Bestimmungen war. Infos darüber was man darf und was nicht, welche Regelungen es gibt und wie man den Alltag im Truck konzipiert. Gerade bei einem Spezial-Thema wie dem veganen Burger ist es doppelt wichtig, die Standorte entsprechend überlegt auszusuchen und vorzubereiten. Bunte Burger nutzt dafür einen eigenen E-Mail Verteiler, um auf den jeweiligen Standort hinzuweisen. Die Unterstützung durch die Stadt Köln ist dabei noch eher gering. Anders als in Nürnberg, wo selbst die Mitarbeiter der Stadtverwaltung dem Food Truck Fieber verfallen sind ;-).

Neumarkter Lammsbräu
am Kölner Food Truck

König Ludwig Alpen Burger und Don Corleone Italo Burger

Don Corleone Italo Burger

Der fertige Don Corleone Italo Burger. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Auf Grund der langen Zugfahrt nach Köln und wegen des fehlenden Frühstücks völlig ausgehungert, freute ich mich schon sehr auf die zwei Burger-Tests. Mein erstes Opfer war der König Ludwig Alpen Burger. Dieser thematisch bayerische Burger nutzt Seitan als Patty und packt darauf alles, was in der Alpenregion beliebt und berüchtigt ist. Das Ziel, eine eigene Kreation zu schaffen, geht dabei komplett auf. Der Burger schmeckte fantastisch und ließ von Beginn an das Fleisch nicht vermissen. Warum auch, es waren so viele aufeinander abgestimmte Aromen durch Gaumen, Zunge und Nase wahrzunehmen, dass man eher damit beschäftigt war, diese zu entdecken, als nach Fleisch zu suchen. Besonders beeindruckt hat mich der Geschmack der roten Beete auf dem Burger – toll. Solltet ihr auf jeden Fall probieren.

König Ludwig Alpen Burger

Das Innenleben des König Ludwig Alpen Burgers. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Als zweites Testobjekt folgte der Don Corleone Italo Burger. Ein Maisgries (Polenta) Patty stand Pate für das Thema Italien. Zusammen mit einer Rucola-Pinienkern-Pesto mit Basilikum und weiteren italienisch geprägten Zutaten machte auch dieser Burger eine gute Figur. Leider war die Konsistenz der Polenta etwas brüchig, sodass gleich nach dem ersten Bissen einige Teile aus dem Burger heraus purzelten. Doch der Geschmack des Burgers entschuldigte die Konsistenz der Patties. Wer die Kombination Ruccola und geröstete Pinienkernen liebt, der kommt beim Don Corleone Italo Burger voll auf seine Kosten, auch weil Bunte Burger Food Truck bei eben diesen Pinienkernen nicht spart.

Super Kombinationen mit jeweils ganz eigenem Geschmack sind die Burger des Bunte Burger Food Truck – ein wahrer Gourmet Food Truck. Für vegetarisch und vegan interessierte Esser ein Muss und für alle Anderen auf jeden Fall einen Versuch wert. Einen guten Appetit schon mal von unserer Seite.

König Ludwig Alpen Burger gross

... und weil es so lecker aussieht hier in groß, der König Ludwig Alpen Burger.
Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

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