Menschen auf der Nürnberger Zeppelintribüne
Themenschwerpunkt Nürnbergs vergessen Konzerte

Nürnbergs vergessene Konzerte von Weltklasse

Konzerte, die kaum einer mehr kennt. Mit raren Fotos, Videos und Songs.

Aktualisiert am von mit Bildergalerie

Jimi Hendrix, Nirvana, The National: Sie alle spielten in den letzten Jahrzehnten in Nürnberg. Eine kleine Bestandsaufnahme der oft übersehenen Auftritte in der Region.

Manche Ereignisse werden erst im Nachhinein groß. So zum Beispiel das Konzert von The National in Nürnberg im November 2003. In das kleine Zentralcafé im K4 bin ich eigentlich wegen The Black Eyes (nein, nicht die Black Eyed Peas), einer längst aufgelösten Postpunk-Band aus Washington, gekommen. The National haben im Herbst 2003 gerade ihr zweites Album “Sad Songs for Dirty Lovers” veröffentlicht, auf dem Sänger Matt Berninger begann, sich heiser zu singen. In meiner Erinnerung war der Raum nicht besonders gefüllt (Fotos vom Doppelkonzert - man sieht nur die Bands - gibt es übrigens auf der Seite von Tobias Kühn, eartrumpet.net).

The National, lange vor dem Durchbruch

The National, 2003 im Zentralcafé. Foto: © Tobias Kühn / eartrumpet.net (cc)

Ziemlich genau zehn Jahre später spielt die Band in der Berliner Max-Schmeling-Halle vor knapp 12.000 Besuchern. Am Abend zuvor hatte ich die Gelegenheit, einen Teil der Musiker zu treffen, als sie die Doku “Mistaken for Strangers” vorstellten. Sie erinnerten sich interessanterweise an ihren Auftritt in Nürnberg; für The National, die Barack Obama im Wahlkampf befeuerten, war es ein langer Weg von solchen kaum beachteten Konzerten bis hin zu anderen Dimensionen.

Der Auftritt von The National war für mich Anlass, um über andere vergessene oder wenig beachtete Konzerte in Nürnberg zu recherchieren. Manch einer mag sich vielleicht an den Gig von Nirvana 1991 im Serenadenhof erinnern. Dort begleiteten sie als “Special Guest” Sonic Youth. Zwei Jahre zuvor waren sie schon einmal in Nürnberg, damals mit den Grunge-Kollegen von Tad im Trust (Klingenhofstr.).

Sonic Youth bekommen im Jahr 1991 auf dem Nürnberger Volksfest Nachhilfe in Sachen deutsche Wurst (Ausschnitt aus der sehr sehenswerten Doku “1991: The Year Punk Broke”).

Doch musikhistorisch relevante Musiker haben schon vor noch längerer Zeit in der Noris gespielt, so z.B. Jazz-Gigant John Coltrane zweimal zu Beginn der 1960er Jahre. Es folgten Bands wie The Who, Jimi Hendrix und Led Zeppelin. Mitte bzw. Ende der 1970er gab es immer mehr namenhafte Acts, vor allem im Bereich Rock, die in Nürnberg auftraten.

Menschen reden Konzert

Musik ist Kommunikation, auch über den Stacheldraht hinweg. Foto: © Konrad Jungert / Nürnberg und so (cc)

Gut abzulesen ist das bei setlist.fm. Im Publikum waren viele US-Soldaten, die damals in der Region stationiert waren. 1983 gab es in Deutschland erstmals das “Monsters of Rock”-Festival mit Bands wie Thin Lizzy und Whitesnake. Ein Ableger fand in der Noris statt. Seit 1997 gibt es in Nürnberg das große Festival “Rock im Park” (zuvor in Wien und München).

Den Bereich Jazz stärkte zwischen 1966 und 2002 das Nürnberger Festival Jazz Ost-West (der Nachfolger war das Stimmenfang Festival) mit Namen wie Archie Shepp, Keith Jarrett und McCoy Tyner. Nicht zu vergessen sind auch die Gostenhofer Jazztage, die von 1991 bis 2003 Musiker wie das Kronos Quartet, Terry Riley und Joachim Kühn in die Region brachten. Das Jazzstudio Nürnberg hat sich im Jahr 1954 gegründet.

Bereits 1945 jazzte Dave Brubeck im Nürnberger Opernhaus. Er war damals Soldat in der Noris und spielte mit seiner Armee-Band "The Wolfpack" zur Wiedereröffnung des Hauses.

Das McCoy Tyner Trio 1986 in der Nürnberger Meistersingerhalle. Mit auf der Bühne: Freddie Hubbard und Joe Henderson.

Manche Veranstaltungsorte wie der Rührersaal oder die Hemmerleinhalle in Neunkirchen am Brand existieren nicht mehr. In der Meistersingerhalle oder auf dem Zeppelinfeld finden nach wie vor Konzerte statt.

Als Nico in der Zabo Linde spielte
Konzert Menschen am Boden

Oh! Sweet Nuthin'. Foto: © Konrad Jungert / Nürnberg und so (cc)

In diesem Artikel habe ich in einer subjektiven Auswahl versucht, die vergessenen Konzerte in der Region chronologisch aufzulisten. Seien es Musiker, die bereits damals Legendenstatus innehatten oder interessante Acts, die früher kaum bekannt waren und heutzutage eher in anderen Städten spielen (manche setzen ihre Hoffnung auf den Z-Bau, dessen erster Bauabschnitt bald eröffnet wird). Oder Kuriositäten wie Nico (Velvet Underground) in der Zabo Linde oder Einstürzende Neubauten im Goldenen Saal in der Zeppelintribüne. Klassiker wie Bob Dylan 1978 auf dem Zeppelinfeld habe ich weggelassen. Eine Quelle (zum Teil mit Setlist, weiteren Fotos und Erfahrungsberichten) ist immer angegeben, manche Bands tauchen mehrmals auf. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Dieser Beitrag ist explizit ein offener - also schreibt gerne die Konzerte (Rock/Pop/Jazz/Indie/oder auch Klassik) in die Kommentare, die Euch noch einfallen. Vielleicht wart Ihr sogar persönlich dabei und könnt berichten (große Namen allein machen freilich noch kein gutes Konzert aus).

Vergessene Konzerte in Nürnberg und Region

Hendrix’ Song “Red House”, aufgenommen in der Nürnberger Meistersingerhalle.

Mitschnitt des Nürnberger Konzerts von Pink Floyd.

Rock and Roll: Led Zeppelin 1973 in Nürnberg.

Substitute, der Eröffnungssong des Nürnberger Konzerts von The Who am 1. September 1979.

Super-8-Film mit Festivalimpressionen (ohne Musik).

Der Nürnberger Gig 1980 konnte nicht zu Ende gespielt werden, da Schlagzeuger John Bonham kollabierte. Er starb am 25. September desselben Jahres.

Kassetten-Mitschnitt des Konzerts von Neil Young. Die Qualität wird im Verlauf etwas besser.

Dieses Konzert steht exemplarisch für den großartigen Kevin Coyne, den man nach dem Tod von Jim Morrison sogar als dessen Nachfolger bei den Doors haben wollte. Er lebte seit Mitte der 1980er Jahre in Franken und starb am 2. Dezember 2004 in Nürnberg. Die Doku “Lola La Musica” von 2001 - ein Ausschnitt ist oben zu sehen - zeigt ihn u.a. in Gostenhof.

“Der Kommentar der Lebenden zu den toten Spuren der Vergangenheit”: Dass die Band im Inneren der Zeppelintribüne ihre Geräusch-Collagen performte, war dem ZDF einen längeren Bericht wert.

Mitschnitt des Nirvana-Konzerts von 1989.

Nürnberger Konzertimpressionen der 1970er und 1980er

Publikum auf der Zeppelintribüne Nürnberg. Auch im Bild: Plakate von Udo Lindenberg und das Panikorchester (Sündenknall-Tour 1985) Foto: © Konrad Jungert / Nürnberg und so (cc)

Ein Artikel von

Benjamin Jungert

Der Autor Benjamin Jungert bloggt bei Nürnberg und so über Themen wie Startups und Kultur.

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