7000 poetische Geburtstagskarten und eine Feier ohne Jubilar

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Soltani Geburtstag

Hans Link, Präsident der Rechtsanwaltskammer, und Joachim Vetter, Präsident des Landesarbeitsgerichtes, überreichen Maede Soltani stellvertretend für ihren Vater ein Plakat mit einem persischen Zitat zur Hoffnung. Dutzende von Rechtsanwälten und Richtern haben es unterzeichnet. Foto: © Susanne Berg / Nürnberg und so (cc)

Eine Geburtstagsfeier ohne den Jubilar ist ungewöhnlich, aber in diesem Fall ein Zeichen für Hoffnung und Zusammenhalt: Ein Unterstützerkreis aus JuristInnen und von Amnesty International feierte am 2. November den 62. Geburtstag von Abdolfattah Soltani, gemeinsam mit seiner Tochter Maede Soltani.

Der iranische Rechtsanwalt und Preisträger des Nürnberger Menschenrechtspreises sitzt seit vier Jahren widerrechtlich im Teheraner Evin-Gefängnis. Bei der Feier in der Nürnberger Rechtsanwaltskammer war auch Christoph Strässer anwesend, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.

„Ein ungewöhnliches Fest an einem ungewöhnlichen Ort“ nannte Hans Link, Präsident der Nürnberger Rechtsanwaltskammer, in seiner Ansprache diese Feier. Denn obwohl Rechtsanwalt Abdolfattah Soltani bei dieser Feier nicht dabei sein kann und obwohl in den bereits vier Jahren seiner Inhaftierung seine in Nürnberg lebende Tochter Maede Soltani gemeinsam mit Amnesty International und vielen UnterstützerInnen um die Freilassung ihres Vaters kämpft, ist er noch immer nicht frei.

Nicht nachlassen in Sachen Menschenrechte

Christoph Strässer ist seit Januar 2014 Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Nachfragen bei der iranischen Botschaft nach Menschenrechtsfragen im Allgemeinen und nach der Lage von Abdolfattah Soltani im Besonderen gestalteten sich sehr schwierig, erklärt er. Deshalb sind es dieses Nicht-nachlassen, das Immer-wieder-ins-Gespräch-bringen und das Initiieren neuer Ideen für seine Freilassung, die ihm und anderen Inhaftierten Hoffnung geben und Druck auf die Regierung im Iran ausüben.

Der Ort gegenüber dem Justizpalast mit seinem Schwurgerichtssaal 600 hätte für diese Feier passender nicht sein können. Rechtsanwältin Christine Roth vom Unterstützerkreis aus JuristInnen und Amnesty International verweist auf das unbedingte Ziel, dass Soltani und andere Anwältinnen und Anwälte ihren Beruf ebenso frei ausüben können wie das hier möglich ist.

Soltani Geburtstag

Gäste der Geburtstagsfeier in der Rechtsanwaltskammer Nürnberg. Foto: © Susanne Berg / Nürnberg und so (cc)

„Jede Welt hat einen Frühling und einen Herbst, aber in der Welt der Hoffnung gibt es keinen Herbst.“ Dieser Spruch eines persischen Dichters auf Deutsch und persisch unter dem Bild einer aufgehenden Sonne, die durch Gefängnisgitter strahlt, steht nicht nur auf dem Plakat für Abdolfattah Soltani, sondern auch auf 7000 Geburtstagskarten an ihn. Der Fotokünstler Christian Oberlander hat das Plakat und die Karten gestaltet. Sie sind an den iranischen Botschafter in Berlin gerichtet, der darum gebeten wird, die Grüße an Soltani zu übermitteln. Jeder kann eine solche Karte unterschreiben und mit einer Briefmarke versehen abschicken.

Soltani bedankt sich für die Unterstützung

In den letzten Tagen wurde Abdolfattah Soltani im Krankenhaus behandelt, so dass seine Tochter Gelegenheit hatte, mit ihm persönlich und länger zu telefonieren. So berichtete Maede Soltani davon, wie sehr ihr Vater sich bedankt für die Unterstützung und das Engagement, das seinen Kampf für Freiheit aller in ähnlicher Lage stärke. Auch Shirin Ebadi, iranische Friedensnobelpreisträgerin, mit der Soltani gemeinsam das Menschenrechtszentrum in Teheran aufgebaut hatte, schickte ein Grußwort an Soltani, in der sie von der „brennenden Fackel der Freiheit, die für immer leuchtet“ spricht. Und davon dass, selbst wenn die Seele nicht, so doch der Körper krank werde durch die Haftbedingungen.

Mit einem Gedicht drückte auch der im KZ Dachau umgekommene Rechtsanwalt Hans Litten aus, was er dachte und fühlte. Seine Enkelin, die Schauspielerin Patricia Litten, rezitierte es auf beeindruckende Weise. Er schrieb es, als die Lagerleitung ein Fest anordnete, das im Lager “gefeiert“ werden sollte.

Ein Lied über die Sehnsucht nach Freiheit trug die Sängerin Shabnan Zamani vor; dabei begleitete sie sich selbst auf einem indischen Instrument, einer Shrutibox. Auf einer persischen Santur spielte Hans Schanderl dazu. Eine kleine Gruppe des Philharmonischen Chores Nürnberg eröffnete und beendete die Veranstaltung auch wieder mit einem Kanon. Ein wenig habe er das Gefühl, sagte Hans Link schließlich, das Abdolfattah Soltani mitten unter den Feiernden sei.

Die Geburtstagsfeier in der Rechtsanwaltskammer Nürnberg organisierte ein Unterstützerkreis von AnwältInnen, RichterInnen, weiteren Berufsgruppen sowie Amnesty International.

Mehr zur Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region Nürnberg erfahrt ihr in unserem Themenschwerpunkt „Kultur- und Kreativwirtschaft“.

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