"Anleitung zum Burnout": Ein Interview mit der Autorin Heike Duken

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Heike Duken

Hat sich des Themas Burnout schwarzhumorig und einfühlsam angenommen: Autorin Heike Duken. Foto: © Hartmut Knipp

Eine grimmig-witzige „Anleitung zum Burnout“ hat die Nürnberger Autorin und selbstverständlich einfühlsame Psychotherapeutin Heike Duken vorgelegt. Seit langem gibt sie Seminare zur Burnout-Prophylaxe. Dieses Wissen und ihre Erfahrungen hat sie in einem sehr unterhaltsamen Sachbuch zusammengefasst.

Wolltest du dir in deiner grimmig-witzigen „Anleitung zum Burnout“ deine Erfahrungen als Psychotherapeutin von der Seele schreiben oder einen anderen Blickwinkel auf das modische Burnout-Syndrom einnehmen?

Beides. Zum einen gebe ich schon lange Seminare zur Burnout-Prophylaxe, zum anderen habe ich Burnout-Betroffene in meiner Praxis zur Psychotherapie. Ich wollte keinen Standardratgeber schreiben, der sehr betroffen und ernst daher kommt, sondern es auf eine schwarzhumorige Weise angehen, um eben Leute zu erreichen, die noch nicht im Burnout stecken. Denn für die ist das Buch nicht geschrieben, sondern für die, die noch lachen können, sich aber kritisch damit auseinandersetzen wollen, wo sie denn eigentlich stehen. Die erreicht man mit einem lustigen Zugang besser.

War das Buch deine Idee oder ist man auf dich zugekommen?

Das war in Zusammenarbeit mit meinem Agenten. Der hatte eine Anfrage von einem Verlag bekommen, der etwas anderes haben wollte. Ich habe gesagt, dass ich die Idee für eine Anleitung zum Burnout habe, ähnlich der „Anleitung zum Unglücklich sein“ von Watzlawick. Das fand mein Agent super und wir haben dann relativ schnell einen Verlag dafür gefunden.

Buchcover "Anleitung zum Burnout"

Eine bissige Auseinandersetzung mit dem Thema Burnout. Foto: © MIRA Taschenbuch

Wie lange hast du daran geschrieben?

Ein halbes Jahr etwa.

Das ist nicht viel Zeit, hast du im Eiltempo geschrieben?

Ich habe schon intensiv daran gearbeitet. Es ist aber so, dass ich das Konzept und die Struktur für das Buch komplett im Kopf hatte. Auch viele Beispiele, die ich im Buch bringe, hatte ich schon in meinen Seminaren behandelt. Ich habe sie dann nur etwas verändert und witzig formuliert. Aber das Grundgerüst stand schon.

Manche Berufe sind prädestiniert für einen Burnout

Du hast das Inhaltsverzeichnis in einen sehr unterhaltsamen theoretischen Teil und einen praktischen gegliedert, den du wiederum in die Bereiche Privates und Arbeit teilst. Ist deiner Erfahrung nach der Anteil am Burnout eher im privaten oder eher in der Arbeit zu finden oder ist das immer die Summe vieler Einzelteile?

Es ist immer ein Zusammenwirken: von der Persönlichkeit, die jemand mitbringt, bestimmte innere Stolperfallen und Falltüren und andererseits äußere Bedingungen. Bei manchen reichen die äußeren Bedingungen aus, weil die Rahmenbedingungen so schlecht sind, dass man entweder gehen oder ein Burnout kriegen muss. Wie z.B. in manchen Altenheimen oder Callcentern, da sind die Bedingungen so extrem, dass man prädestiniert ist für einen Burnout. Bei den meisten ist es nie nur eine Ursache, sondern es kommt was zusammen wie z. B. der Wunsch, perfekt zu sein oder den eigenen Selbstwert nur mit der Arbeit zu verbinden. Das ist gefährlich, wenn dann von außen noch jemand kommt, der das gut instrumentalisieren kann.

Ist das deiner Meinung nach ein Zeitphänomen, der Wunsch nach Perfektion? Hat das in den letzten 20 Jahren zugenommen oder fällt es uns nur mehr auf?

Nein ich glaube, die Arbeitswelt hat sich verdichtet. Der Wind ist dort rauer geworden. Ich hatte vor zehn Jahren noch lange nicht so viele Arbeitsthemen in der Psychotherapie. Vielleicht ist es auch eine gesellschaftliche Entwicklung, sich immer optimieren zu wollen. Wir leben natürlich auch in einer Leistungsgesellschaft, in der Leistung ganz oben auf der Werteskala steht. Aber insgesamt hat sich vor allem das Arbeitsleben verändert.

Ist dein humorvoll direkter aber auch leicht zynischer Tonfall im Buch dem Thema geschuldet?

Ja, das hat mir einfach Spaß gemacht. Ich bin in meinem Beruf eher ein netter Mensch, verständnisvoll, einfühlsam. Deshalb wollte ich mir auch mal die andere Seite von der Seele schreiben, wo ich nicht verständnisvoll, wo ich garstig bin mit meinen Lesern. Und eben auch, dass es Leute anspricht, die sonst mit normaler Ratgeberliteratur nicht so viel anfangen können. Männer zum Beispiel.

“Durch schwarzen Humor geht es besser”

Ja, das ist mir aufgefallen, dass du oft Männer ansprichst, wie z.B. auf S. 176/177 die Piloten, die sich mit den Stewardessen, sagen wir mal, vergnügen. Wendest du dich mit dem Buch mehr an die Männer?

Heike Duken

Fühlt sich persönlich "zu faul für einen Burnout": Autorin Heike Duken. Foto: © Hartmut Knipp

Also mehr nicht, aber auch. Ich habe ebenso viele Beispiele aus der Pflege oder den helfenden Berufen aufgeführt. Ich wollte aber definitiv die Männer mit ins Boot holen. Weil die es manchmal schwerer haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, weil es sowas Psychologisches ist und weil man sich das selber nicht so gern eingesteht. Ich glaube, durch schwarzen Humor geht das besser.

Ich höre bei deinen Formulierungen den leicht gehässigen Grundton heraus, der uns oft selbst als Einpeitscher antreibt. Wie groß ist der Anteil auf dem Weg zum Burnout, der ins uns selber liegt?

Das spielt schon oft eine große Rolle, einen inneren Antreiber zu haben, z.B. um jeden Preis um Anerkennung zu kämpfen. Und auch wenn man sie nicht kriegt, immer weiter zu machen. Burnout hat viel damit zu tun, dass man trotzdem verbissen immer weiter macht, obwohl man eigentlich schon das Gefühl hat, in einer Sackgasse zu sein oder sich in etwas verrannt zu haben.

Hängt die Suche nach Anerkennung immer mit zu wenig Aufmerksamkeit in der Kindheit zusammen?

Ich arbeite ja tiefenpsychologisch, von daher denke ich schon, dass das ganz viel mit der Sozialisation zu tun hat; welche Botschaften wir von unseren Eltern oder Bezugspersonen mitbekommen haben. Zum anderen ist es auch eine gesellschaftliche Entwicklung, dass wir nur was wert, sind, wenn wir was leisten. Da spielen viele Faktoren eine Rolle.

Manchmal bleibt einem beim Lesen das Lachen im Hals stecken, weil das angesprochene Unterthema in der Realität für die Betroffenen nicht mehr lustig ist. Wie bewusst war dir die Gratwanderung zwischen Humor und Tragik?

Die war mir schon bewusst. Ich glaube sogar, das ist eine Gratwanderung, die wir oft im Leben haben. Deswegen sage ich auch, für Betroffene, die mittendrin stecken im Burnout, für die wird das Buch nicht lustig sein oder die schon in meiner Praxis sitzen und in höchster Not um Hilfe suchen und am Boden sind. Die können vielleicht hinterher darüber lachen, aber nicht in dieser Phase. Deshalb ist das Buch eher geschrieben für Leute, die ein paar Tipps mitnehmen wollen, um zu verhindern, in den Burnout zu rutschen.

Bei den meisten Textstellen merkt man sofort den Humor, bei manchen Stellen allerdings hatte ich den Eindruck, sie sind aus der Perspektive des wirklich leidenden Menschen geschrieben. Hast du eher Mitleid oder möchtest du die Menschen wachrütteln, besser auf sich aufzupassen?

Das Wachrütteln stimmt natürlich, aber mir war wichtig, wenn es um Menschen geht oder sich Leser wiederfinden: „Das ist bei mir ähnlich“, dass ich mich nicht über die Menschen lustig mache. Auch meine ausgedachten Beispielfiguren möchte ich nicht vorführen. Deshalb bin ich an der Stelle auch ernster geworden. Über allgemeine Phänomene oder Fallstricke, die wir alle kennen, kann man wieder scharfzüngiger werden.

Was sind denn häufige Fallstricke?

Einer der häufigsten ist die Phantasie, man selber hätte keine Belastungsgrenzen, die Idee, man wäre der einzige Mensch, der keine Entspannung braucht, keinen Feierabend, keine Pausen, auch nichts zu essen z. B. den ganzen Tag über. Das sind so Fallstricke, wo ich mir denke, hoppla, das geht nicht lange gut.

“Ich bin zu faul für einen Burnout”

Wie weit bist du persönlich auf deinem Weg zum Burnout? Hast du es bald geschafft oder noch viel zu tun?

Ich werde das leider nie schaffen, ich bin nämlich zu faul für einen Burnout. Ich hatte natürlich auch Zeiten in meinem Leben, wo ich sehr viel gearbeitet habe, z.B. als die Kinder klein waren. Aber bei mir gibt’s eine natürliche Grenze, bei der ich keine Lust mehr habe und mir eine Bremse reinhaue. Mir vielleicht das Wochenende freischaufele. Da bin ich zu lebensfroh. Ich arbeite natürlich auch sehr selbstbestimmt in meiner Praxis. Wenn ich merke, ich bin am Limit, dann mache ich eine Pause. Das kann natürlich jemand, der angestellt ist, nicht so. Deswegen bin ich da schon privilegiert.

Was hast Du als nächstes literarisch vor? Du hast ja gerade ein Literaturstipendium bekommen.

Ja da freue ich mich sehr drüber. Ich werde mich jetzt wieder einem Roman widmen, was ganz anderes machen, was Ernsteres. Das wird ein etwas tragischer Familienroman. Vielleicht gibt’s irgendwann auch mal wieder ein Sachbuch.

Mehr zur Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region Nürnberg erfahrt ihr in unserem Themenschwerpunkt „Kultur- und Kreativwirtschaft.“

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