Nürnbergs Fahrräder träumen von TeilEsel

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von
TeilEsel reaktiviert Nürnbergs Fahrräder

Die Idee hinter dem Projekt TeilEsel: TeilEsel reaktiviert Nürnbergs Fahrräder und bietet diese kostenlos zur Nutzung an. Übrigens, der Name dieses Fahrrads ist: Felix. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Stellt euch folgendes vor: Überall in der Stadt steht euch ein Fahrrad zur Verfügung, das ihr an eurem Zielort einfach stehen lassen könntet und der Nächste kann es nehmen. Sollte es am Abend dann etwas später werden als geplant, bräuchtet ihr nicht durch endlos lange, leere Straßen heimwärts laufen. Stattdessen steigt ihr einfach auf ein Rad in eurer Nähe auf. Oder ihr seid in der Innenstadt und müsst unerwartet schnell nach Hause. Wie praktisch wäre es da ein Fahrrad zur Verfügung zu haben. Und das alles am besten unkompliziert und kostenlos.

Das klingt nach utopischen Vorstellungen von frühsozialistischem Inhalt oder den Rechtfertigungen eines Fahrraddiebs, werdet ihr vielleicht jetzt sagen. Weit gefehlt! Auf diese Idee kam Ralph Haydl auf dem Nürnberger 'Startup Weekend 2013'. Was ursprünglich als unkonventionelle Werbeaktion für sein Produkt "Pilzpaket" geplant war, wurde dort ein eigenständiges Projekt, das man "teilEsel" taufte und sich zur Zeit in der Testphase befindet. Schnell fand sich ein Team zusammen, um den Drahtesel auf seine nächste evolutionäre Stufe zu heben. Die "teilEsel" sind vollkommen neongelb, sodass sie nicht nur von normalen Rädern zu unterscheiden sind, sondern auch Farbe in die Stadt bringen.

Wie soll TeilEsel funktionieren?

TeilEsel Fahrrad in Nürnberg mit neongelbem Sattel

Eine häufige Frage an TeilEsel: Färbt der Sattel ab? NEIN!
Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

In den Kellern Nürnbergs träumen viele alte nicht mehr genutzte Fahrräder vom Wind der einst zwischen ihren Speichen pfiff. Oft würden dafür kleine Reparaturen genügen, für die ihre Besitzer aber keine Lust oder Zeit haben.

Genau diese Räder will das Team um Ralph Haydl wieder straßentauglich machen und ihnen einen neuen knallgelben Anstrich geben. An der Fleischbrücke konnte man schon ein paar der neongelben Vehikel Probe fahren. Nicht nur Studenten und Schüler, sondern ein weit gefächertes Spektrum von Passanten fand Gefallen an dieser Alternative zum öffentlichen Nahverkehr. Auch sozial schwache Menschen, die kein Geld für Fahrräder haben, könnten auf diese Weise mobil sein. Auf Facebook kommt "teilEsel" sehr gut an und hat bereits zahlreiche, sehr engagierte Unterstützer und Fans bekommen. Kein Wunder. Denn im Gegensatz zu den kommerziellen Fahrradverleihstationen, die zur Zeit in jeder deutschen Großstadt wie Pilze aus dem Boden sprießen, soll das ganze für die Nutzer vollkommen kostenlos sein. Da stellt sich die Frage, wie das Ausleihen der Räder funktionieren wird? Aktuell ist geplant, dass man sich auf der Internetseite "http://www.teilesel.de" registriert. Mit dem Smartphone soll man sich dann mobil einloggen, um den Code für das Zahlenschloss des Rades abzurufen. Aufsteigen und los! Am Zielort sollte man noch die GPS-Koordinaten des Rades übermitteln, damit es nicht verloren geht. Das dafür nötige System befindet sich gerade noch in der Entwicklungsphase.

Probleme mit TeilEsel

TeilEsel Fahrrad in Nürnberg mit neongelbem Lenker

Der Lenker eines TeilEsel Fahrrads in Nürnberg ist auch neongelb. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Bis man die "teilEsel" benutzen kann wird es allerdings noch etwas dauern, da es vor allem noch rechtliche Probleme zu lösen gibt. Räder, die einem Verein oder einer Organisation gehören dürfen nicht auf öffentlichem Grund abgestellt werden. Dazu müsste man eigene Parkflächen mieten. Das wiederum würde die Nutzung erheblich einschränken und durch Miete Kosten verursachen. Ein weiteres Dilemma ergibt sich aus der Notwendigkeit die Fahrräder zu versichern, da bei einem Unfall, den ein Nutzer verursacht, der Verein haften müsste. Für einen solchen Fall ist eine Versicherung unerlässlich doch auch sehr teuer. Miete und Versicherung müssten durch Nutzungsgebühren finanziert werden, die aber dem Konzept des Projekts widersprechen. Die Initiatoren sind nun eifrig am überlegen durch welche rechtlichen Mittel man solche Kosten vermeiden kann. Durch eine Vereinsgründung ließe sich das Haftungsproblem zumindest verringern.

Dabei ist die Frage nach der Wartung noch nicht geklärt. Diese ist bei einer starken Nutzung ein bis zwei mal in der Woche nötig und ebenfalls ein hoher Kostenfaktor. Eventuell finden sich für diese Aufgabe aber noch engagierte Hobbybastler. Eine Veränderung des Konzeptes ist zur Zeit nicht angedacht aber auf Dauer wahrscheinlich nur schwer zu umgehen, da die rechtlichen und materiellen Zwänge auch vor sozialen und guten Ideen nicht halt machen.

TeilEsel Damenfahrrad in Nürnberg neongelb

Der Lenker eines TeilEsel Fahrrads in Nürnberg ist auch neongelb. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Eine direkte Konkurrenz zu "NorisBike", den bekannten Radverleihstationen in Nürnberg, ist nicht beabsichtigt, würde im Falle der Umsetzung des "teilEsel"-Konzepts aber de facto existieren. Wer bezahlt schon Geld fürs Radeln, wenn er auch umsonst fahren kann. Da die "NorisBike"-Stationen bereits durch die Stadt Nürnberg, dem Bund und der Stadt Lauf gefördert werden, wird von kommunaler Seite, aller Voraussicht nach, keine Unterstützung für "teilEsel" zu erwarten sein. Die Leipziger "nextbike GmbH", zu der auch "NorisBike" gehört, hat Fahrrad-Verleihstationen in über 30 deutschen Städten und damit ein gewisses Marktmonopol.

In den kommenden Monaten werden wir sehen ob sich das Konzept der kostenlosen Nutzung von recycelten Fahrrädern durchsetzen und bestehen kann. Gute, gemeinnützige Ideen wie diese sind gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise und des damit einhergehenden Sozialabbaus wichtig und würden den Alltag vieler Menschen etwas freudiger gestalten. Projekte die aber nicht auf einen wirtschaftlichen Nutzen oder sonstigen Profit ausgelegt sind, haben es aber tatsächlich immer schwerer. Darum benötigt man viel Unterstützung, Engagement und Hilfe, die über Sympathie-Bekundungen hinausgeht. Die durchweg positive Resonanz gibt schon mal Anlass zur Hoffnung, dass die neongelben Räder bald gefahren werden dürfen. Wer Lust hat sich hier zu engagieren, findet 'teilEsel' über die Internetseite oder Facebook Ansprechpartner.

Wir wünschen dem 'teilEsel'-Team dabei viel Erfolg!

(Das Interview mit Ralph Haydl und Alexander Boulbos führte Markus Wolf)

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