»Tell me why, I don’t like sundays.«

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von
Offen auf AEG

Die SØR Rusche Sammlung auf 6.000 qm: ein Ausschnitt. Foto: © Theresa Krause / Nürnberg und so (cc)

Lästig, diese sonntägliche Jammerei. Aber es ist, wie es ist. Mein geistiges Wirrwarr fordert jeden Sonntag aufs Neue die unselige Stille zum Kampf heraus. Den Tag der Ruhe habe ich schon längst enttarnt. Meine Woche fängt nämlich nicht am Montag, sondern bereits am Sonntag an.

Der Henker, getarnt als mehrköpfiges Monster des Alltags, lauert bereits vor der Tür. Im Zeitraffer jage ich durch die bevorstehende Woche und finde einfach keine Ruhe vor dem Sturm. In meinem Fall macht Übung keinen Meister, sondern ein Desaster. Doch ab und zu haben selbst in Nürnberg die Ruhenden mit den Rastlosen Mitleid und lassen den verhassten Sonntag zum Freudentag werden.

"Ein offenes Tor gegen ein offenes Auge."

Das AEG-Gelände öffnete seine Pforten und gewährte Einblick in das geheime Leben nach der Waschmaschine. Ob kunstverliebt, technisch affin, oder mit Hang zum kreativen Tatendrang: Auf AEG durfte man nicht nur »Kunst wollen«, sondern auch Kunst tun, anfassen und mitnehmen.

Theresa auf AEG

Offen für Kunst: Theresa auf AEG. Foto: © Theresa Krause / Nürnberg und so (cc)

Kleine und große Ateliers offenbarten einen Blick unter den Künstlerpinsel, die Akademie der Bildenden Künste präsentierte ihr jüngstes Werk, das Kulturbüro Muggenhof erschuf eine Landschaft aus menschgewordenen Kreativ-Automaten und das FabLab ließ mit Laser-Druckern und Co. das technisch-kreative Herz höher schlagen. Auch der Forschende wollte gesehen werden. Doch leider wussten meine energetisch aufgeladenen Augen gekonnt den Campus der technischen Wunder zu vermeiden und ließen sich naiv-verträumt von den »schönen Künsten« (ver-)führen.

"Kunst oder weg damit?"

Was ist Kunst? Was ist schön? Schönheit variiert, von Auge zu Auge, von Moment zu Moment. Das Ich kategorisiert – höchst subjektiv. So mag es seltsam erscheinen, dass Kriterien wie schön oder hässlich, gut oder schlecht, belanglos oder innovativ zumindest für eine gewisse Zeit allgemeine Urteilskraft erlangen. Ein subjektiver Richter, der richtet, erscheint widersprüchlich, oder etwa doch nicht?

Die Ausstellung »Gute Kunst? Wollen!” hat sich dem Dilemma der (un-)gültigen Kriterien gestellt und die individuelle Wahrnehmung herausgefordert. Handwerkliches Können. Schönheit. Kunstwollen. Innovation. Diskurswürdigkeit. Kritisch regte sie zur Kritik an. Die SØR Rusche Sammlung auf einem 6.000 qm großen Prüfstein.

"Frida, der namenlose Gitarrenspieler und ich."

Halle 15. Erster Stock. Mein Besuch des AEG-Geländes erreicht einen neuen Höhepunkt, als ich die Ausstellung der Originalgrafik Thaler erreiche. In der weiten Leere fernab von anderen Werken hat er sich versteckt. Zu Recht, braucht er doch Platz, um seine volle Wirkung zu entfalten. Der namenlose »guitar player«, ein Farblinolschnitt von Christoph Ruckhäberle, hat sich in mein (inneres) Auge gebrannt. »Christoph Ruckhäberles Bilder eignen sich nicht, um sich darin zu Hause zu fühlen. Seine Bilder stecken voller Ambivalenzen. Innere Spannung und Kampf sind hier virulenter als die immer wieder in den Medien proklamierte Melancholie der Neuen Leipziger Schule, die den Zeitgeist einer Generation angeblich spiegelt.«

guitar player

Christoph Ruckhäberle, "guitar player". Foto: © Theresa Krause / Nürnberg und so (cc)

Doch auch wenn es unmöglich sein mag sich in Rückhäberles Schaffen zu Hause zu fühlen, möchte man sein Werk dennoch besitzen. Zuhause. Nun ja, der Kauf von Originalgrafiken würde vermutlich das ein oder andere – nicht zuletzt mein – Budget sprengen. Doch auch als potentieller, mittelloser Liebhaber muss man nicht gänzlich auf ein grafisches Werk in seiner originalen Vielfalt verzichten. Zumindest als Mini-Me lässt sich die Kunst der Neuen Leipziger Schule für wenig Geld erstehen.

Das sogenannte Lubok, ein originelles Buch voller Originale, bleibt in seiner Handlichkeit den druckgrafischen Qualitätsmerkmalen treu. Eine Großauflage, die Großes gegen Kleines bietet. »Ja, liebe Frida, die Zeiten unserer trauten Einsamkeit sind vorbei. Bald wird Dir ein Gitarrenspieler Lieder vorspielen.«

"50-Cent-Glück"

Mit dem Besuch auf AEG ist nicht nur das Glück in meinem Kopf, sondern auch in meine neue Wohnung eingezogen. Automatisch, von Hand gemacht. Wunsch gegen Kunst. Gegen mein Schutzschild aus Klee hat selbst mein grummeliger Nachbar keine Chance. Stand zuvor ein Kaffeeautomat ganz oben auf meiner Wunschliste, ist es nun der Kunst-Oh-Mat vom Kulturbüro Muggenhof. Alles andere bleibt offen, AEG hoffentlich auch.

Mehr zur Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region Nürnberg erfahrt ihr in unserem Themenschwerpunkt „Kultur- und Kreativwirtschaft

Neon-Kunst

Neon-Kunst auf AEG. Foto: © Theresa Krause / Nürnberg und so (cc)

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