Stadtbekannt: Das Bowling-Center an der Bayreuther Straße

Veröffentlicht am von und Stefan Schwach
Brunswick-Bowling-Center

Spaciges Interieur im Brunswick-Bowling-Center anno 1963. Foto: © Bischof & Broel (Sammlung Sebastian Gulden)

Ein Bowling-Center, das sich ins kollektive Gedächtnis einer ganzen Stadt einprägt! Scheiden sich auch an seiner Architektur die Geister, dem Brunswick in Nürnberg ist das gelungen. Nun soll es einer Wohnanlage weichen.

Wenn man es genau bedenkt, sind Bowling-Center in unserem Leben wesentlich präsenter, als uns bewusst ist. Wer regelmäßig Spielfilme „Made in USA“ schaut, der stolpert geradezu zwangsläufig über jene eigentümlichen Sportarenen, in denen Menschen enthusiasmiert durchlöcherte Kunstharzbälle auf Pins (Kegeln) schleudern. Ihre cineastische Glanzstunde erlebten sie 1977, als sich Bud Spencer und Terrence Hill in der Komödie „Zwei außer Rand und Band“ durch ein Bowling-Center in Miami (eigentlich in Mailand) prügelten.

1963 errichtete die US-amerikanische Brunswick Corporation, ein führender Anbieter von Bowling-Automaten und Zubehör, an der Bayreuther Straße in Nürnberg, genauer an der Einmündung der Ludwig-Feuerbach-Straße, den damals zweitgrößten Bowling-Palast Europas. In der prüden und spaßbremsigen Bundesrepublik der Nachkriegszeit war er ein heißbegehrter Treffpunkt für die Jugend und junggebliebene Altvordere.

Das Brunswick-Bowling-Center in der Bayreuther Straße 18-20, aufgenommen 1963 und 2018.

Das Brunswick-Bowling-Center in der Bayreuther Straße 18-20, 1963 und 2018. Fotos: © Bischof & Broel (1963, Sammlung Sebastian Gulden) – Boris Leuthold (2018)

Obwohl der ausgesprochene Zweckbau mit seinen fast fensterlosen Fronten und dem Flachdach optisch mehr einem Schuhkarton gleicht als einem Bauwerk, hat er sich doch in die Erinnerungen vieler Nürnbergerinnen und Nürnberger gebrannt. Das liegt sicherlich nicht zuletzt an der schrillen Gestaltung der Fassaden. Noch heute ziert die Sockelzone ein Spiegel aus braunen und beigen Fliesen im Schachbrettmuster. Die ursprüngliche Leuchtreklame hat man später durch einen nicht minder auffälligen marineblauen Anstrich ersetzt, in dem das neu gestaltete Logo der Betreibergesellschaft – eine Lichtstrahlen aussendende Krone – prangt. Auch die spacige Inneneinrichtung, in den 1960er Jahren der allerletzte Schrei des Interieur-Designs, musste später neuen Einbauten und Möbeln weichen.

Oase der Gemütlichkeit

Vor dem Zweiten Weltkrieg erstreckte sich auf dem Grundstück des Bowling-Centers ein Teil des „Tucherkellers“ oder auch „Tuchergartens“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Gaststätte an der Pirckheimerstraße). Er war seit 1912 einer der beliebtesten Biergärten Nürnbergs, in dem in der warmen Jahreszeit Tausende Bier- und Bratwursthungrige im Schatten alter Laubbäume kühlen Gerstensaft und Brotzeit schnabulierten.

Die Bayreuther Straße mit dem beliebten „Tuchergarten“ rechts im Bild, aufgenommen 1937.

Die Bayreuther Straße mit dem beliebten „Tuchergarten“ (rechts), 1937. Foto: © Andreas Helldörfer (Sammlung Stefan Schwach)

Praktisch: Die Straßenbahn hielt gleich um die Ecke, denn hinter dem Biergarten befand sich das Depot „Maxfeld“ der Nürnberg-Fürther Straßenbahn (heute VAG). Die britischen Fliegerbomben des Weltkriegs, die die Bebauung an der Bayreuther Straße weitgehend einebneten, vernichteten die Wirtsgebäude, verbrannten und zerfetzten die uralten Bäume. Das Maxfeld-Depot musste 1976 einem Heizkraftwerk weichen. Ein Teil der Sandsteinmauer, die Pförtnerloge und ein eindrucksvolles Sgraffito (Kratzputzbild) mit dem Künstlermonogramm „J. K.“ am Haus Ludwig-Feuerbach-Straße 6, das einen Straßenbahnschaffner inmitten eines stilisierten Schienennetzes zeigt, erinnern noch daran.

2016 fielen die noch erhaltenen Reste der gewölbten Sandstein-Tiefkeller des „Tuchergartens“ einem Wohnbauprojekt zum Opfer. Spätestens 2019 soll es nun auch dem Bowling-Center an den Kragen gehen. Ein Nürnberger Investor plant dort eine Eigentumswohnanlage mit 119 Einheiten und einem Innenhof.

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