Schöne Kinderstube: Als der Fotograf in die Heinrichstraße kam

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von und Sebastian Gulden und Stefan Schwach
Heinrichstraße 8

Kinder posieren vor dem Haus Heinrichstraße 8, 1909/1917.

Wenn vor rund 100 Jahren der Fotograf kam, um das eigene Zuhause abzulichten, mussten die Kinder der Bewohner meist mit aufs Bild. Dann hieß es: brav schauen und stillhalten!

Und das war bei den langen Belichtungszeiten für viele Kinder sicher eine ganz schöne Tortur, der nicht alle gewachsen waren (siehe die verschwommene Person auf dem Titelbild unten rechts). Zur Belohnung kamen die Familien meist recht günstig zu einem Foto ihrer Kleinen. Auf den zumeist gestochen scharfen Schwarzweißfotografien der damaligen Zeit konnte man selbst auf einer Ansicht des ganzen Hauses einzelne Gesichter identifizieren. Auch die Bewohner des Eckhauses Heinrichstraße 8 in St. Leonhard ließen den Fotografen kommen. Gehweg, Eingang und Fenster des Hauses sind dicht bevölkert – vom Säugling bis zum Opa sind alle dabei.

Das Eckhaus Heinrichstraße 8, aufgenommen zwischen 1909 und 1917 beziehungsweise 2016

Das Eckhaus Heinrichstraße 8 – 1909/1917 und 2016. Fotos: © anonym (1909/1917) – Boris Leuthold (2016) (cc)

Die schöne Kinderstube der Kleinen war zur damaligen Zeit ein typisches Mietshaus mittleren Standards. Errichtet hat es Simon Hahn im Jahr 1909. Für die Bauzeit typisch ist, dass nur das Erdgeschoss massiv in Sandsteinquadern ausgeführt ist, während die oberen Etagen verputzt sind. Das hatte zum einen Kostengründe; zum anderen bot sich so die Möglichkeit, die Fassaden mit vergleichsweise geringem Aufwand dekorativ zu gestalten. Hier wandten die Stuckateure verschiedene Putztechniken an und bereicherten Fenster und Giebel mit Ornamenten im Jugendstil. Das Zwerchhaus am Eck mit dem wohl begehbaren zylindrischen Aufbau sucht in Nürnberg seinesgleichen.

Das Haus Heinrichstraße 8 hat die Zeiten recht gut überstanden und steht unter Denkmalschutz. Leider sind Teile der Stuckdekoration Beschädigung und Renovierungen zum Opfer gefallen. Auch die Jalousien aus Holzbrettchen und die zugehörigen Kästen mit Verkleidungen (die so genannten „Schabracken“) sind verschwunden. Manch Bewohner von heute mag darüber fluchen, gerade dann, wenn im Hochsommer die Sonne unbarmherzig durch die Fenster hereinbrennt.

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