Es grüßt ein Turm: Das Hotel Maximilian an der Lorenzer Straße

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von und Sebastian Gulden und Stefan Schwach
Das ehemalige Hotel Maximilian

Turm und Giebel des ehemaligen Hotels Maximilian an der Lorenzer Straße, 1905/1928. Foto: © anonym (cc)

Mit seinem Eckturm grüßt das frühere Hotel Maximilian jene, die durch das Marientor in die Nürnberger Altstadt kommen. Es gehört zu den wenigen Gründerzeitbauten, die die den Zweiten Weltkrieg überdauert haben.

Vor dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs wurde Nürnbergs Altstadt vor allem wegen seiner mittelalterlichen Gassen und Bauwerke als „des Reiches Schatzkästlein“ gepriesen. Das aber war nur ein Teil der Wahrheit, denn auch der Historismus des 19. Jahrhunderts hatte entscheidenden Anteil am Bild der alten Stadt. Gerade an den wichtigen Verkehrsadern wie der König- oder der Lorenzer Straße entstanden damals gewaltige Neubauten. Ihre Größe und verschwenderischer Baumschmuck sollten an die Architektur von Weltstädten wie Wien, Paris oder London anschließen.

Neben die internationalen Strömungen des Klassizismus, der Neorenaissance und des Neubarock trat eine einheimische Spezialität: Der „Nürnberger Stil“, eine Mischung aus Formen der Spätgotik und der Renaissance des 16. Jahrhunderts, gelangte zu neuem Ruhm. Von etwa 1880 bis um 1900 war der lokalpatriotisch aufgeladene Stil dermaßen „en vogue“, dass man sogar einfachste Mietskasernen in den Vorstädten mit seinem Formenschatz ausstattete.

Das frühere Hotel Maximilian, zwischen 1905 und 1928 und 2016

Das frühere Hotel Maximilian, 1905/1928 und 2016. Fotos: © anonym (1905/1928) – Sebastian Gulden (2016) (cc)

Das Hotel Maximlian, das Architekt Georg Richter 1890–1891 an der Lorenzer Straße 31 errichtete, spielt freilich in einer anderen Liga. Das weithin sichtbare, beeindruckend hohe Sandsteingebäude begrüßte die Einheimischen und Besucher, die die Altstadt durch das (später abgerissene) Marientor betraten. Richter spickte das Hotel mit zahlreichen Motiven Alt-Nürnberger Baukunst, mit durchbrochenen Treppengiebeln, einem Eckturm mit Spitzhelm und Ecktürmchen und gleich mehreren Chörlein.

Wie durch ein Wunder hat das malerische Anwesen die Stürme des vergangenen Jahrhunderts fast unbeschadet überstanden. Die Nationalsozialisten, denen der verspielte Historismus der Kaiserzeit ein Dorn im Auge war, ließen das Haus trotz seiner prägnanten Lage in Frieden. Während die Bomben des Zweiten Weltkrieges die Nachbarschaft nahezu dem Erdboden gleichmachten, trug das Maximilian nur vergleichsweise geringe Schäden davon. Heute dient das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk als Wohn- und Geschäftshaus. In den 1920er Jahren residierte der Bayerische Automobil-Club im Maximilian.

Was uns das Bild noch erzählt

Ende Februar 1928 schickte das Ehepaar Werner die historische Ansicht des Hauses an Gretl Beier, die gerade Urlaub im Hotel Zellerhof im Zillertal machte:

„Liebe Gretl!

Ihre Karte a[us] Innsbruck haben [wir] erhalten u. danken vielmals dafür. – Nach den schlechten Tagen haben wir bereits schon 8 Tage ganz herrliche eingetauscht. Wenn es auch immer kalt noch ist, so strahlt doch die Sonne schon wunderbar heraus. – Heute haben wir einen wunderbaren Tag in Heilsbronn verlebt u. waren auch nicht zu wenig Auto’s! – Trotzdem klappte alles.

Mit den besten Grüßen Ihre Hans u. Hansi Werner“

Andere Vorher-Nachher-Bildfolgen von Stadtbild im Wandel

Fotogener Dauerbrenner: Die „Sutte“ des Heilig-Geist-Spitals

Wintertraum aus Schnee und Sandstein: Das Haus Spittlertorgraben 35

Noblesse aus zwei Epochen: Das Anwesen Marientorgraben 9

Blog abonnieren
'Nürnberg und so' Blogfeed abonnieren

Zusätzlich zu dem Podcast stellt 'Nürnberg und so' auch immer wieder begleitende Geschichten und Informationen aus der Metropolregion Nürnberg vor.

Blog-Artikel als RSS Feed abonnieren

Foodtrucks & Street Food
Finde mit Craftplaces Foodtrucks und Street Food

Logo Craftplaces - mobile Unternehmen wie Foodtrucks und Street Food finden

Die besten Foodtrucks und Street Food in deiner Stadt suchen, denn mobile Unternehmen sind immer und überall für dich da. Craftplaces zeigt dir wo und wann sie unterwegs sind.

Du willst nichts verpassen?
Anmeldung E-Mail Newsletter 'Nürnberg und so'

Anmeldung zum E-Mail Newsletter

Sätze für die Ewigkeit
Podcast Nürnberg und so
Die Queen besucht die Hotelhalle, Prinz Phillip ist eher technisch orientiert
Wolfgang Kießling in Sendung No. 11
Als ich das Farnblatt im Kaffee sah, wusste ich was ich werden will.
Christian Ullrich in Sendung No. 26
Bei 2 bis 3 Grad schlafen die Bakterien ein.
Volker Waltmann in Sendung No. 22
Letzte Podcast Sendungen
Nürnberg und so

Jörg Korinek / Podcast-Sendung No. 32

Veröffentlicht am 05.05.2015

Den geborenen Göppinger lockte ein Praktikum in die Frankenmetropole. Dem Weg zum Informatik-Studium gingen einige bundesweite Schulaufenthalte voraus, bei denen er Orientierung gewann und diverse…

zur Sendung No. 32

Roland Rosenbauer / Podcast-Sendung No. 31

Veröffentlicht am 11.02.2015

Aus Cadolzburg kommend, finanzierte er sich mit dem "Ruf der Unendlichkeit" oder der "Rache des Knochenmannes" seine Schulzeit. Trotz BWL Studium landete er schließlich beim Jugendfunk des…

zur Sendung No. 31

Aktuelle Magazin-Artikel
Nürnberg und so

Zehn Fragen an Startup Craftplaces aus Nürnberg

Veröffentlicht am 10.02.2019

Mit der Technologie des Startups Craftplaces finden Millionen Street Food Kunden Foodtrucks. Das junge Technologie-Unternehmen strebt an, das in 5 Jahren alle Foodtrucks in Europa und den USA mit…

weiterlesen

Fotogener Dauerbrenner: Die „Sutte“ des Heilig-Geist-Spitals

Veröffentlicht am 28.12.2018

In den letzten Wochen wurde sie wieder zehntausendfach geknipst: Die malerische Westfront des Heilig-Geist-Spitals. Sie ist nicht nur eines der beliebtesten Fotomotive Alt-Nürnbergs, sondern hat…

weiterlesen

Interview zum Afrika Film

Veröffentlicht am 18.12.2018

Eigentlich war das alles ja gar nicht so geplant gewesen – das mit dem so lange bleiben, das mit dem Alleinsein und dem Weg zu sich selbst. Doch die Frage ist, ob man in diesem Leben so etwas…

weiterlesen

Wintertraum aus Schnee und Sandstein: Das Haus Spittlertorgraben 35

Veröffentlicht am 14.12.2018

Bis zum Zweiten Weltkrieg waren prächtige Vorstadthäuser mit Sandsteinfassaden und Vorgärten in Nürnberg ein vertrauter Anblick. Sie vermittelten weltstädtisches Flair, städtebauliche…

weiterlesen