Fledermausfreundliche Windenergie: Zehn Fragen an bat bioacoustictechnology

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Titelbild bat bioacoustictechnology

bat bioacoustictechnology: Wie Windenergie auch auf Fledermäuse Rücksicht nehmen kann. © bat bioacoustictechnology GmbH

Windenergieanlagen prägen zusehends die deutschen Landschaften. Die Betreiber müssen sich dabei auch darum kümmern, dass Vögel und Fledermäuse nicht durch diese zu Schaden kommen. Das Startup bat bioacoustictechnology unterstützt sie mit einem Monitoring-System für Fledermäuse.

Die einen stören sich an ihnen im deutschen Landschaftsbild, die anderen halten sie für eine gute Form alternativer Energiegewinnung: Die Rede ist von Windkraftanlagen, die einem unter anderem von der Autobahn aus ins Auge fallen. Die hohen Anlagen unterliegen vielen technischen und gesetzlichen Auflagen. Einem oft übersehenen Punkt, nämlich dem Fledermausschlag, widmet sich das Winkelhaider Startup bat bioacoustictechnology: Insbesondere Fledermäuse sterben durch die Windenergieanlagen, da sie diese nicht orten können. Viele Tiere verenden durch Druckunterschiede, die in der Nähe der Rotorblätter herrschen.

Das Unternehmen um die beiden Diplom-Ingenieure Florian Stiller und Thomas Scharrer hat deswegen einen Fledermausdetektor entwickelt, der das Verhalten der Tiere überwachen soll. Die Betreiber der Windenergieanlagen sind per Gesetz in den jeweiligen Bundesländern verpflichtet, ein Monitoring dazu durchzuführen. Die Technik des Startups soll sie dabei unterstützen. Um Finanzierung und Marketing kümmert sich dabei Sonja Galneder. Wir stellten bat bioacustictechnology unsere zehn Fragen zu diesem interessanten Projekt.

Kannst du bitte kurz erzählen was euer Startup ausmacht?

Logo Bat Bioacoustic Technology

Logo bat bioacoustictechnology: © bat bioacoustictechnology GmbH

Allein in Deutschland gibt es ca. 25.000 Windenergieanlagen. Man sagt: „Sie erzeugen grünen Strom“ – das weiß jeder. Doch was den meisten nicht klar ist: Für eine Viertelmillion Fledermäuse bedeuten diese Windkraftanlagen den Tod – und das jährlich. Mit ihrem Ultraschall-Ortungssystem sind sie nicht in der Lage, die Rotorblätter der Windkraftanlagen zu erkennen.

Von gesetzlicher Seite aus ist daher gefordert, die Anlagen in einem fledermausfreundlichen Betrieb laufen zu lassen, der auf einem Gutachten basiert. Wir entwickeln und vertreiben ein automatisiertes Monitoringsystem, mit dem dieses Gutachten erstellt werden kann.

Was ist der Kern eures Produktes, euer Alleinstellungsmerkmal (USP) - formuliert in einem Satz?

Unser richtlinienkonformes Fledermaus-Monitoring-System BATmode kann von überall aus der Welt ferngesteuert und überwacht werden, ohne dass aufwändig in die Gondel der Windkraftanlage geklettert werden muss.

Eine Drohne erkundete die Windkraftanlagen

Bei welcher Gelegenheit kam euch die Idee zu eurem Start-up?

Bei meiner Diplomarbeit an der Uni Erlangen bastelte ich eine Drohne, die Fledermausrufe abspielen konnte und flog damit um Windkraftanlagen herum. Damit testete ich, ob und bis zu welcher Entfernung Fledermausrufe erkannt werden können. Dabei war es sehr umständlich, jedes Mal in die Gondel der Windkraftanlage klettern zu müssen, um an die Daten heranzukommen. Außerdem musste man die Rufe unter vielen Störaufnahmen herausfiltern.

Nach meinem Studium kam ich zusammen mit Thomas, der sich während seiner Promotion sehr viel mit Ultraschall beschäftigte, auf die Idee, einen eigenen Fledermausdetektor zu entwickeln. Wir holten uns noch eine BWL-Studentin und zwei Fledermausexperten aus dem Forschungsprojekt, in dem ich meine Diplomarbeit schrieb, mit ins Boot und das Team war komplett.

SWR-Beitrag zum Thema Windräder und Fledermäuse aus dem Jahr 2010.

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Unser größtes Ziel ist es natürlich, dass unser System gleich bei einem Neubau einer Windkraftanlage fest mit verbaut wird. Außerdem wünschen wir uns, weiterhin mit viel Spaß und Freiheiten an der Sache dran bleiben zu können.

Habt Ihr eine Exit-Strategie?

Ja und nein. Im Moment denken wir nicht an einen Verkauf oder sonst etwas. Sollte es nicht so laufen wie erträumt, möchten wir versuchen, unsere Idee auch nebenher weiterlaufen zu lassen.

Habt Ihr an irgendwelchen Pitches, Businessplan- Wettbewerben teilgenommen? War das eher hilfreich oder eher zu aufwändig?

Ja, wir haben einmal beim Businessplanwettbewerb Nordbayern mitgemacht und sind unter die besten 20 gekommen. Allerdings muss ich zugeben, dass wir bei der Preisverleihung ein bisschen enttäuscht waren, als wir sahen, mit welchen anderen bereits länger etablierten Unternehmen man verglichen wird.

Außerdem haben wir beim Gründerwettbewerb IKT Innovativ teilgenommen und durften auf der IFA 2015 einen Preis entgegennehmen. Neben dem Preisgeld und dem gewonnenen Coaching ist dabei die Werbung durch die Berichterstattungen über die Preisverleihung nicht zu unterschätzen.

Welche Person hat euch bei der Gründung besonders unterstützt?

In erster Linie haben wir uns gegenseitig sehr unterstützt. Man merkt sehr schnell, wie wichtig es ist, miteinander arbeiten zu können und sich vor allem auf den anderen verlassen zu können. Und natürlich spielen die Partner und Familien eine wichtige Rolle, auf die wir uns immer verlassen konnten.

Ein soziales Netzwerk ist wichtiger als eine Hype-Stadt

Warum habt Ihr nicht einen üblichen Hype-Standorte wie Berlin und Hamburg gewählt?

Bereits vor der Gründung war klar, wie wichtig es ist, ein großes Netzwerk an Menschen zu haben, die einem mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen weiterhelfen können. Das ist viel wichtiger als in einer Hype-Stadt zu leben und zu arbeiten. Außerdem fühlen wir uns in Nürnberg einfach wohl.

Technik Batmode

Das Batmode-System. Foto: © bat bioacoustictechnology GmbH

Was waren bei euer Gründung die größten Stolpersteine?

Unsere größten Stolpersteine waren, dass wir zunächst merkten, wie theoretisch das Studium war und wie wenig betriebswirtschaftliches Wissen einem mitgegeben wurde. Das musste erstmal nachgeholt werden. Außerdem war es schwierig, geeignete Vertriebskanäle für den doch sehr speziellen Markt zu finden.

Was würdet Ihre beruflich machen, wenn Ihre kein Startup gegründet hättet?

Thomas und ich wären wahrscheinlich beide als Mechatronik-Ingenieure bei Unternehmen, vielleicht aus der Automobilbranche, tätig. Sonja beendet erstmal ihr Studium und würde dann wahrscheinlich als Steuerberaterin arbeiten.

Kontaktdaten bat bioacoustictechnology GmbH

Geschäftsführer: Florian Stiller, Thomas Scharrer

Hohe Str. 2

90610 Winkelhaid

Telefon: 09131/8523363

E-Mail: info@bioacoustictechnology.de

Internet: www.bioacoustictechnology.de

Facebook: /bat.bioacoustictechnology

Alle Termine, News und Berichte aus der Startup-Szene findet ihr auch in unserem Themenschwerpunkt Nürnberg Startups.

Speziell für Startups haben wir eine Übersicht der IT/Internetszene in der Metropolregion Nürnberg, Fürth und Erlangen erstellt. Sie beinhaltet jede Menge Veranstaltungen, die euch persönlich und euer Startup weiterbringen werden. Verschiedenste Anlaufstellen, engagierte Unternehmen und Privat-Personen helfen bei der Gründung. Die komplette Liste findet ihr unter: Gründer und Startups – Anlaufstellen in der Region.

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