Metropolregion Nürnberg langweilige Provinz oder pulsierende Metropole?

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von
Ergebnisse der Studie des europäisches Forum für Migrationsstudien mit dem Titel: Warum Metropolregion Nürnberg

Pulsierende Metropolregion Nürnberg oder doch nur langweilige Provinz? Die Studie gibt Antworten.

Warum eigentlich die Metropolregion Nürnberg? Eine eindeutig zweideutige Interpretation einer Studie des europäisches Forums für Migrationsstudien.

Nürnberg war im Mittelalter einer der bedeutendsten Handelsmetropolen mit einer Strahlkraft über die Region Franken hinaus. Eine Strahlkraft die sich zur Zeit der Industrialisierung noch einmal wiederholte, als die Region Menschen aus aller Welt anzog und Arbeit und Gewinne lockten. Die Motivation der Menschen war so vielfältig wie die Herkunftsländer aus denen sie stammten. Arbeitskräfte aus Tirol, Händler aus Spanien oder Gewürze aus Venedig: Nürnberg war es seit dem Mittelalter gewohnt mit vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft umzugehen und diese verschiedenen Einflüsse effektiv zum eigenen Nutzen der Stadt und deren Bewohnern einzusetzen.

Nürnberg noch heute eine pulsierende Metropole?

Doch wie sieht die Situation heute aus? Ist Nürnberg noch immer eine pulsierende Metropole in Europa? Auf meinen nationalen und internationalen Reisen rede ich viel mit Menschen über die Metropolregion Nürnberg und wie sie diese einschätzen. Dabei gibt es sehr viele Unterschiede. Während der eine Teil, der noch nie in der Region war, diese als sehr klein und unbedeutend und vielleicht noch mit dem 3. Reich in Verbindung bringt, sind die Personen, die schon einmal in der Region waren sehr viel besser informiert. Sie schätzen die Region bedeutend besser ein und konnten sogar eine einigermaßen treffende Schätzung der Einwohnerzahlen machen.

Doch warum kommen heute Menschen in die Metropolregion Nürnberg und wenn sie in der Metropolregion sind, was finden sie hier gut und was eher schlecht? Dieser Frage ging eine Studie des europäisches Forums für Migrationsstudien nach und erstellte eine Studie mit dem Titel "Warum Metropolregion Nürnberg?".

Woher kommen die Menschen in die Metropolregion Nürnberg?

Blick auf das alte Rathaus in Bamberg

Neben Nürnberg gibt es auch in anderen Städten Frankens hervorragende Ausflugsziele, hier das Alte Rathaus in Bamberg. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so

Dieser Studie zufolge kommt der größte Teil der Menschen auf Grund eines Arbeitsplatzwechsels in die Metropolregion Nürnberg. 65% aller befragten Personen gaben an, dass sie wegen "Arbeit" in die Metropolregion gekommen sind und nur 14% wegen der Familie oder des Partners. Der Anteil der Studenten in der Studie war mit 13% relativ gering.

Wenn im Mittelalter die Händler und Kaufleute in Nürnberg ankamen, war die Suche nach einer Unterkunft für die nächsten Tage Primärziel. Dieses Ziel unterscheidet die Menschen von heute auch nicht von denen damals. Über 62,5% der in die Metropolregion Nürnberg gezogenen Menschen gaben an, dass die größte Herausforderung die Wohnungssuche war, gefolgt vom Umgang mit den Menschen aus der Region. Beim letzten Punkt 'Umgang mit den Menschen' muss man aber sehr stark unterscheiden zwischen den Teilnehmern der Studie, die aus dem deutschsprachigen Raum und denen, die von weiter her in die Region kamen. Der größte Anteil der Personen, die im 'Umgang mit den Menschen' vor Ort ein Problem sehen, sind aus dem nicht deutschsprachigen Ausland. Dies zeigt sich auch in der Aussage, dass die Region eine recht schlechte Bewertung bei den Kenntnissen von Fremdsprachen hat – also hier sehr ungern englisch gesprochen wird.

Gemischter Teller fränkischer Spezialitäten

Bei diesem Anblick läuft vielen das Wasser im Mund zusammen, kein Wunder dass über 85% der Befragten zufrieden und sehr zufrieden mit den gastronomischen Angeboten waren. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so

Nachdem ein Händler im Mittelalter eine Bleibe für die Nacht gefunden hat, folgte als nächstes der Gang in eine Schenke um Hunger und Durst zu stillen. Der allgemein sehr positive Eindruck der Studienteilnehmer durch hervorragendes Bier und fantastisches Essen in der Region wird hier bestätigt. Über 85% der Befragten waren entweder zufrieden oder sehr zufrieden mit den gastronomischen Angeboten in der Metropolregion Nürnberg. Aber auch hier muss man wieder einen Unterschied zwischen nationalen und internationalen Studienteilnehmern machen. Menschen, die von außerhalb des deutschen Sprachraums in die Region kamen, bewerteten die gastronomischen Möglichkeiten bedeutend schlechter als die Teilnehmer, die aus dem deutschsprachigen Raum kamen.

Problem: private Betreuungsmöglichkeiten

Alle Gruppen waren sich aber einig, dass das größte Problem für Familien die Suche nach privaten Betreuungsmöglichkeiten war und ist. Über 90% bewerteten diese Nachfrage mit 'eher unzufrieden' und 'sehr unzufrieden' - unter privaten Betreuungsmöglichkeiten fällt z.B. das Angebot der Tagesmütter. Die Nähe zu Naherholungsgebieten wird als sehr positiv bewertet und auch das Angebot an Kinos, Museen und Theatern schneidet sehr gut ab.

Das Thema Sicherheit spielte in jeder Epoche ob Mittelalter oder Industrialisierung eine große Rolle, so verwundert es nicht, dass auch diesem Thema Sicherheit eine eigene Rubrik gewidmet wurde. Das Ergebnis für die Metropolregion Nürnberg kann sich sehen lassen: Über 95% der Teilnehmer waren 'zufrieden' und 'sehr zufrieden' mit der Sicherheit in der Metropolregion. In jedem Fall ein sehr gutes Ergebnis.

Anders sieht es bei den Öffnungszeiten aus. Sowohl national wie auch international werden diese als problematisch gesehen. Das kann ich auch aus meinem privaten Umfeld bestätigen. Viele Besucher der Region sind überrascht, wenn ich anmerke, dass wir noch bis 20:00 Uhr einkaufen gehen müssen, weil wir danach und am Sonntag nichts mehr bekommen. Für Personen aus NRW oder Baden-Württemberg ist das unverständlich und meines Erachtens auch ein großes Problem für ganz Bayern - und im speziellen in den touristischen Regionen.

Zwischenfazit: Etwas Positives über die Metropolregion Nürnberg

Alles in allem gaben nur 9,5% der Befragten an, so schnell wie möglich wieder aus der Metropolregion Nürnberg wegziehen zu wollen. Eine meiner Meinung nach gute Bewertung. Bei den Gründen, die für die Region sprechen liegt der Faktor 'Freizeit und Natur' an erster Stelle gefolgt von 'Größe und Flair'. Überrascht hat mich dann doch, dass an vierter Stelle der 'Umgang mit Menschen' genannt wird, also ist es vielleicht doch nicht ganz so, dass der Franke immer griesgrämig und missgelaunt ist :-).

Zwischenfazit: Etwas Negatives zur Metropolregion Nürnberg

Bei den negativen Aspekten sieht die Bewertung überraschender Weise sehr ähnlich aus. Auch hier wird das Fehlen von 'Freizeit und Unterhaltung' bemängelt und der 'Umgang mit Menschen' scheint nun doch wieder ein Problem zu sein. Ich denke, dass diese beiden Wertungen sehr individuell sind und auch persönlich sehr unterschiedlich ausfallen können. Bei mir ist es z.B. so, dass ich mich in Köln sehr wohl fühle, mit Berlin aber nicht 'warm' werde.

Blick auf eine Halbe Bier und zwei Brezen

Franken ist über alle Grenzen hinaus bekannt für seine hervorragenden Biere und die Brauereikultur. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so

Eine bestimmte Wertung hat mich dann aber doch sehr überrascht: Das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel wird bei den negativen Faktoren an dritter Stelle genannt. Auch hier ist eine detailliertere Betrachtung notwendig. Die schlechten Bewertungen kommen größtenteils von Studienteilnehmern, die aus den ländlichen Teilen der Metropolregion Nürnberg kommen und nicht aus den Stadtgebieten Nürnberg, Erlangen, Fürth, Bamberg, Bayreuth oder Schwabach. Ein Problem, dass ich auch schon mehrfach am eigen Leib erfahren musste.

Fazit

Alles in allem fällt die Studie sehr positiv für die Metropolregion Nürnberg aus. Einzig das Kinderbetreuungsangebot sticht mit seiner extrem schlechten Bewertung heraus. Ein Thema, mit dem wir uns im Podcast gesondert beschäftigen werden.

Was müssen wir tun?

Die fehlende Bereitschaft englisch zu sprechen fällt in der Studie auf. Wir sollten auf englisch sprechende Bewohner ebenso offen zugehen, wie wir es bei deutschsprachigen Bewohnern schon tun. Dieses Ergebnis hat mich auf dem ersten Blick sehr erschreckt, aber nach einigem Nachdenken leider nicht mehr sehr verwundert. Trotz vieler international bekannter Events und Orte ist die Region immer noch touristisches Entwicklungsland. Hierbei hilft der Blick von außen: Gerade wenn man von Reisen anderer europäischer Städte zurück kommt, fällt das extrem auf. Da sind uns andere Regionen deutlich voraus.

Lasst uns diesen Makel doch als Chance begreifen und seht die Gespräche mit Touristen und Bewohnern aus nicht deutschsprachigen Regionen als Chance euer Englisch aufzufrischen und somit häufiger zu nutzen. Die Menschen danken es euch und auch ihr profitiert von den vielen verschiedenen Berichten und Sichtweisen auf die Region und somit auf euch. Auch wir von 'Nürnberg und so' werden mit gutem Beispiel vorangehen: ab morgen jeden Tag eine Gute Tat ;-)

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