Altdorf spielt Mittelalter und Deutschland kommt zu Besuch

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von
Kosaken-Lager Altdorf

Das Kosaken-Lager vor den Toren Altdorfs. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Es muss schon eine sehr bewegte Zeit gewesen sein, das ausgehende Mittelalter. In einer kleinen Stadt am Rande des Lorenzer Reichswaldes spielt sich alle drei Jahre etwas ganz Besonderes ab.

Eine Stadt verwandelt sich in eine Theaterkulisse und jeder macht mit. Egal ob Angler-, Schützen- oder Fischereiverein, viele Altdorfer sind an fünf Wochenenden in mittelalterlicher Kleidung unterwegs. Da werden aus Verkäuferinnen Zigeunerinnen und aus Versicherungsvertretern Schmiede oder Handlanger des Königs.

Szene aus dem Theaterstück Wallenstein in Altdorf

Theaterstück „Wallenstein in Altdorf“ Verkündung einer Entscheidung des Rates der Stadt Nürnberg. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Kern der seit 1894 stattfindenden Veranstaltungsreihe ist das „Wirken“ von Wallenstein in der Akademiestadt Altdorf. Zur Zeit in der Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein in Altdorf studierte war die Stadt erst knapp 100 Jahre im Besitz der Nürnberger. Erst 1622 wurde die Akademie in Altdorf auf Drängen des Nürnberger Rates zur Universität erhoben. Trotz der wenigen Monate, die Wallenstein in Altdorf war, sind seine Taten in der Stadt detailliert überliefert. Sie bieten Stoff für zahllose Geschichten. So ist es kein Wunder, dass die Studentenzeit von 1599 bis 1600 der Kern des Volksstücks „Wallenstein in Altdorf“ ist. Dieses von Franz Dittmar 1894 – ja, ihr lest richtig – verfasste Stück beinhaltet alles, was das Herz begehrt: Romantik, Aktion und Dramatik kombiniert mit Massenszenen. Aufgeführt wird das Ganze in den historischen Gebäuden der alten Universität – heute Wichernhaus. Auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz doch leider konnte der verliebte Wallenstein nicht um die Hand seiner Angebeteten anhalten, weil diese schon einem anderen versprochen war. Sie war aber für Wallenstein Beistand in größter Not.

Feldlazarett Mittelalter

Atmosphärische und freie Rekonstruktion eines Feldlazarettes. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

In den ersten drei Akten werden die historisch belegten Spuren Wallensteins unterhaltsam dargestellt. Wallenstein war ein echter Muster-Student. Er legte sich mit allen und jedem an, hielt sich nie an Regeln und fiel mehr durch seine Gewalttaten als durch seine Studienarbeit auf. Ein echtes Raunen ging durch die Zuschauerreihen, als Wallenstein seinen Diener Wenzel, gespielt von Philipp Christl, ordentlich verprügelte. Die historischen Quellen sprechen davon, dass Wallenstein seinen Diener fast zu Tode geschlagen hatte. Der dritte Akt endete damit, dass Wallenstein zusammen mit Getreuen in die Dienste des Kaisers trat. Historisch belegt ist, dass Wallenstein die Akademie im April 1600 verlassen musste und sich anschließend auf eine Reise durch Italien begab.

Feuer des Schmiedes

Nicht nur für die Touristen ging es heiß her auf den Wallenstein Festspielen in Altdorf. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Wallenstein wurde am 24. September 1583 in Hermanitz – heute Tschechien – geboren und am 25. Februar 1634 in Eger ermordet. In den Wirren des Dreißigährigen Krieges erlebte er als Feldherr, Oberbefehlshaber und General viele Höhen und Tiefen. Erst vom Kaiser abgesetzt, wurde er nach dem Eingreifen des Schwedischen Königs Gustav Adolf II wieder in die Handlungen des Krieges verwickelt. Innerhalb von vier Monaten stellte er für den Kaiser ein 100.000 Mann starkes Heer auf und schlug damit im September 1632 König Gustav Adolf II. bei Nürnberg. Der Ort, die Alte Veste Zirndorf, ist heute noch zu besichtigen und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Wallensteins kulturelle Erben in Altdorf
Abschlussszene des Theaterstücks

Alle Akteuer des Theaterstücks „Wallenstein in Altdorf“ im Innenhof der alten Universität Nürnberg in Altdorf. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Zurück in den ehemaligen Gebäuden der Universität Altdorf beginnt das dramatische Nachspiel von „Wallenstein in Altdorf“. Wie es Hollywood nicht besser hätte verfassen können, kam es zu einem echten emotionalen Showdown. Nachdem Wallenstein die Stadt verlassen hatte, stand er Jahre später mit einem großen Heer vor den Toren. Die überforderten Stadtwachen nahmen allen Mut zusammen, waren aber schließlich machtlos gegen die Schlagkraft Wallensteins Armee. Schon wollte der Feldherr die Stadt zur Plünderung freigeben, da konfrontierte ihn die ehemalige Angebetete mit seinen verwerflichen Taten und bat für die Stadt Altdorf um Gnade. Viele Zuschauer waren ergriffen von der Szene, als Wallenstein seinen ursprünglichen Plan widerrief und die Stadt verschonte.

Zigeunerlager

Zigeuner-Lager vor dem Tor der Stadt Altdorf. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

Der sicherlich schönste Zeitpunkt, die Wallensteinfestspiele Altdorf zu besuchen ist die „Lange Nacht“ und der anschließende „Gaukler Sonntag“. Für die drei Euro Eintritt bekommt ihr historisches Lagerleben und jede Menge Spektakel zu sehen, und das bis 3 Uhr in der Nacht. Gaukler und Barden ziehen durch die Altstadt, Akrobaten, Feuerschlucker und Musiker unterhalten tagsüber und in der Nacht die Besucher. Das Besondere an den Wallensteinfestspielen in Altdorf ist, dass man als Besucher Teil des Geschehens werden kann indem man sich direkt in die einzelnen Feldlager begibt und dort das ein oder andere Zechgelage mitmacht. Für alle, die nicht mit dem Auto nach Altdorf gekommen sind, fährt die VGN mit einer Sonder S-Bahn alle Fans des Mittelalter Festivals wieder zurück nach Nürnberg.

Noch bis zum 26. Juli (Programm) ist Altdorf am Wochenende im Ausnahmezustand. Danach bietet sich erst 2018 wieder die Möglichkeit, Wallenstein und sein Treiben vor den Toren Nürnbergs hautnah miterleben zu können.

Eine Übersicht über die interessantesten fränkischen Wanderwege, Feste, Seen, Restaurants, Museen und darüber hinaus findet ihr auf unserer Themenseite „Sehenswertes in der Region Nürnberg“.

Show-Einlagen

Gelungene Unterhaltung auch zwischen den Ständen. Besonders das Kostüm fand ich wunderbar. Foto: © Markus Wolf / Nürnberg und so (cc)

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