Zweieinhalb Jahre Nürnberg und so: Im Interview mit Markus und Daniel

Aktualisiert am 04. Februar 2019 von
Besucherwachstum Nürnberg und so

Zukunft und so, die beiden Gründer Markus und Daniel im Gespräch über zweieinhalb Jahre Nürnberg und so Foto: © Redaktion / Nürnberg und so

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Auch für einen Blog sind das entscheidende Fragen. Zum zweieinhalbjährigen Jubiläum der Seite hab ich mich mit den Gründern Markus Wolf und Daniel Bendl zum Interview getroffen.

Zugegeben, ich bin selbst Autor bei Nürnberg und so. Zum zweieinhalbjährigen Jubiläum der Seite, die auf dem Webmontag 2012 vorgestellt wurde, zoome ich aus meiner Perspektive heraus. Ich unterhalte mich mit den zwei Gründern Markus Wolf und Daniel Bendl darüber, warum sie das Projekt gestartet haben, wie der Journalismus der Zukunft aussehen könnte und wie sie die Seite weiterentwickeln wollen.

Ein durchschnittlicher Nürnberger Zeitungsleser ist über 50 und Club-Fan. Warum sollte dieser auf Eure Seite gehen?

Markus: Ein Grund, warum man Nürnberg und so braucht, ist, weil wir dem Leser Themen präsentieren, die sonst entweder untergehen oder wenig medial bekannt gemacht werden. Diese Themen sind aber für die Region außerordentlich wichtig. So zum Beispiel die vielen Start-Ups, die Food Trucks oder die Fernbusse, wo Nürnberg einen der größten Knotenpunkte darstellt. Nürnberg ist also ein Drehkreuz für die verschiedensten Dinge, nur liest man darüber eher selten. Wir möchten den Innovatoren aus der Region mit unserer Seite eine Plattform geben. Der typische Franke sagt nämlich eher „Bassd scho“ und klopft sich nicht gerne auf die Schulter. Vor allem möchten wir uns im deutschen aber auch im internationalen Kontext gut aufstellen.

Daniel: Mir ist es teilweise einfach zu oberflächlich, wie die regionalen Medien die interessanten Themen darstellen. Wir versuchen das anders und mit mehr Enthusiasmus umzusetzen.

Markus: Wir erwarten auch mehr von unseren Lesern, das heißt wir unterschätzen sie nicht. Jeder kann bei uns etwas Neues entdecken. Zugleich sind wir aber auch kein Nischen- sondern ein klassisches Regional-Magazin.

Daniel: Den Begriff Nische finde ich schwierig; vielleicht sollte man eher von Spezialisierung sprechen, was Themen wie Unternehmen in der Region angeht. Dabei möchten wir den Leser auch für andere Bereiche auf der Seite begeistern.

Informativ vs. polarisierend

Ist das -und so im Namen nicht auch etwas unverbindlich?

Daniel: Auf unserer Seite haben wir schon eine kleine Anpassung vorgenommen: Der Claim lautet mittlerweile „Das Magazin mit Podcast aus der Region“ und nicht mehr „über die Region“. Das Wort „Nürnberg“ tritt also erst mal in den Hintergrund.

Markus: Wenn wir über einen Food Truck aus Salzburg berichten, hat das zunächst ja nichts mit Nürnberg zu tun. Wir wollen damit aber unsere Stadt als Initiator für die Food-Truck-Bewegung präsentieren – das ist ein regionales Thema, das wir unbedingt besetzen müssen, bevor es uns eine andere Region in Deutschland wegnimmt. Wir wollen aus der Region Nürnberg über die Region nach außen hin kommunizieren. 60 Prozent unserer Besucher kommen schon von außerhalb Bayerns. Ein Problem bei Nürnberg und so ist aber, dass wir zwar relativ viele Besucher haben, diese jedoch sehr zurückhaltend interagieren. Das betrifft die Hauptseite ebenso wie Facebook. Viel Interaktion findet aber im Hintergrund statt – zum Beispiel, wenn jemand auf einer Seite unsere Artikel postet und wir das zunächst nicht mitbekommen. Unsere Beiträge sind auch eher informativ als emotional, deswegen kommentieren die Leser sie auch seltener. Die Crux ist, einerseits zu berichten, andererseits aber auch polarisieren zu wollen.

Nürnberg und so, ein sehr erfolgreicher Inkubator für Themen aus der Region

Was waren die wichtigsten Stationen in den letzten zwei Jahren?

Markus: Für uns ist die Web Week ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung. Für diese nehmen wir uns immer sehr viel vor und durch diesen Druck entsteht auch viel. Zur Web Week 2014 wollten wir sehen, ob wir es schaffen, täglich News und Artikel zu veröffentlichen. Und es hat funktioniert.

Daniel: Für mich war sehr bedeutend, dass wir über den Podcast hinaus den Blog gestartet haben.

Markus: Genau, es sind auch die begeisterten Redakteure, die für unsere Seite schreiben. Die Zahlen geben uns Recht und bestärken uns darin genauso weiterzumachen. Im Oktober hatten wir die mit Abstand höchsten Besucherzahlen. Das lag sicher auch an der Web Week. Die durchschnittliche Besuchszeit liegt bei weit über drei Minuten, und das ist im Vergleich zu anderen Seiten ein echt guter Wert.

Nürnberg und so WEITER

Daniel: Darüber hinaus werden wir 2015 ins Mobile Reporting (Heike - Mobile Reporting, meine Faszination) einsteigen und LIVE von Veranstaltungen berichten. Einzeln über Twitter und natürlich auch als News-Stream auf der Seite. Dazu kommt noch ein Live-Bild als Titel und fertig ist das “Fast-Live-Dabei-Erlebnis”.

Wie möchtet ihr Geld mit der Seite verdienen?

Markus: Wir werden eine Genossenschaft gründen und die Redakteure am Gewinn beteiligen. Zum Thema Refinanzierung: Wir haben zwei Modelle. Das erste ist ein relativ klassisches: Da wir auf der Seite keine Banner-Werbung wollen, haben wir stattdessen Advertorials, also bezahlte Artikel. Diese kennzeichnen wir natürlich entsprechend. Man kann auch Sponsor der Seite werden. So bekommt der Auftraggeber je nach Thema die Möglichkeit, über ein Logo auf entsprechende Advertorials hinzuweisen. Der Preis für die Advertorials richtet sich nach einem sog. Sichtbarkeitsindex (via searchmetrics), also je mehr Besucher, desto höher der Preis.

Daniel: Was die Advertorials angeht: Wir veröffentlichen keine gelieferten Texte und der Autor darf selbstverständlich auch kritisch berichten.

Markus: Firmen können – in begrenztem Umfang – News und Events plazieren, um auf diese Weise Kontinuität in die Beziehung zu Nürnberg und so zu bringen. Diese News bewirken natürlich auch eine gewisse Dynamik auf der Seite und motivieren vielleicht auch dazu, etwas ältere Artikel zu aktualisieren.

Nun zum zweiten Teil unseres Refinanzierungs-Modells: Wir werden eine Pro-Version der Seite anbieten. Sie wird „Nürnberg und so WEITER“ heißen. Man kann mit ihr einen längeren Podcast genießen - quasi ein Director's Cut. Zudem wird es eine Audio-Fassung der Artikel geben, sie werden also auch vorgelesen. Außerdem ist eine App in Vorbereitung mit deren Hilfe man als Nutzer der Pro-Version die Audio-Artikel auch jederzeit herunterladen und mobil nutzen kann. Wir sehen es als das ideale Produkt für Menschen an, die Audio genauso lieben wie wir. Die Einnahmen möchten wir dann an all jene ausschütten, die an der Seite mitarbeiten.

Der Blogger als Innovationsmanager

Von der Zukunft eurer Seite zur Zukunft des Journalismus: Welche Visionen habt Ihr in dieser Hinsicht?

Daniel: Wie viele andere Internet-Nutzer meiner Generation auch sammle ich mir meine News eher zusammen. Relativ wenige Leute gehen gezielt auf eine Seite. Der Journalismus der Zukunft wird wohl eher nicht darin bestehen, immer wieder eine Website zu besuchen, sondern sich an dem Aggregatoren-Prinzip zu orientieren. Wenn ich einen Artikel, z.B. über Social Media, gut finde, abonniere ich vielleicht die Seite.

Markus: Wir erleben derzeit schon guten Journalismus der Zukunft: Richard Gutjahr widmet sich bestimmten Themen, z.B. Laterpay; er schreibt aber nicht nur darüber und hakt es dann ab, sondern er vertritt solche Themen auch nach außen hin und entwickelt sie weiter. Er ist nicht Schreiberling, sondern Innovationsmanager und Produktmanager. Eigentlich sollten die Journalisten Erfolgsmacher sein. Wenn man sich aber die heutige Verlagslandschaft ansieht, sind es vielmehr Call-to-Action-Firmen, die sich meist zwischen Buzzfeed und Bildzeitung bewegen. Der Vorteil ist, das alles mit allem verknüpft ist – die News, Events, Artikel, Themen, Spezials ...

Daniel: Man merkt aber auch, dass viele von Überschriften wie denen von heftig.co genervt sind, weil sich dahinter eigentlich nichts verbirgt. Man ist wieder eher bereit, längere und gute Geschichten zu lesen. Neue Geschäftsmodelle finden sich zum im Crowdfunding z.B. Krautreporter.

Wer nun gemeinsam mit Nürnberg und so den Weg in die Zukunft gestalten will und das Potenzial in der Region journalistisch nutzbar machen möchte, der kann sich jederzeit hier als Gastautor melden und die Seite bereichern.

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