Jörg Korinek in Podcast-Sendung No. 32

Sendung No. 32, veröffentlicht am 05. Mai 2015 von Nürnberg und so / Google+
Jörg Korinek, erklärte und die Brailleschrift in Sendung No. *33*

Jörg Korinek – der Mann, der vielfach so schnell hören wie sprechen kann und blind auf seine Mitmenschen vertraut. Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so

Jörg Korinek – der Mann, der vielfach so schnell hören wie sprechen kann und blind auf seine Mitmenschen vertraut.

Den geborenen Göppinger lockte ein Praktikum in die Frankenmetropole. Dem Weg zum Informatik-Studium gingen einige bundesweite Schulaufenthalte voraus, bei denen er Orientierung gewann und diverse Hürden meisterte. Er kümmerte sich um die PR-Arbeit einer der besten technischen Universitäten Europas – dem KIT in Karlsruhe – und programmiert heute Telefoniesoftware für das größte fränkische Softwareunternehmen. Hier ist der Mann, der vielfach so schnell hören wie sprechen kann und blind auf seine Mitmenschen vertraut. Herzlich Willkommen Jörg Korinek.

Blindenuhr Bradley

Blindenuhr Bradley ist bei allen ein Design-Renner Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)

Die amerikanische Regierung fordert seit langer Zeit von Zulieferern in Regierungsgeschäften barrierefreie Produkte. Die Bedienbarkeit muss also für jeden Anwender gewährleistet sein. Als das Betriebssystem Windows auf den Markt kam, erfüllte es diese Anforderungen nicht. Microsoft wurde damals zur Nachbesserung aufgefordert und begann damit die ersten Screenreader zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Software, die Blinden und Sehbehinderten einen Zugang zu textuellen sowie grafischen Benutzeroberflächen bietet. Die Ausgabe der Informationen erfolgt akustisch bzw. taktil über eine Braillezeile. In unserer neuen Podcast-Ausgabe erzählt Jörg Korinek mehr zur Brailleschrift (die auf den Ansätzen der „Nachtschrift“ beim französischen Militär beruht) und vor allem zur modernen Braillezeile.

„Einfach mal über den Schatten, nicht über den Stock springen.“

Als unser Gast Jörg Korinek mit dem Studium begann – noch vor Windows in der guten alten DOS-Zeit – war das Informatikstudium für Blinde eher unüblich. In Karlsruhe gab es den Modellversuch ‚Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen für Blinde‘. Ziel war es möglichst viel Literatur zu digitalisieren, so Texte zugänglich zu machen und so eine Alternative zur aufwändige Aufbereitung von Werken auf Papier in Blindenschrift zu bieten. Denn schon damals gab es bereits durch Unterstützung von Zusatzgeräten Computerarbeitsplätze für Blinde.

Inklusion war zur Schulzeit von Jörg Korinek eher die Ausnahme und so war seine schulische Bildung vor allem durch Internatsaufenthalte in Blindenschulen geprägt. Bei der sogenannten Mobilitätsausbildung lernte er den Umgang mit dem weissen Langstock, also als was nutzt man diesen und wie setzt man ihn richtig ein. So erklärt Jörg an ein paar Beispielen aus Nürnberg, wie er sich als Blinder im Alltag orientiert und bewegt. Leitlinien, akustisches und taktiles Feedback bei Ampeln und vieles mehr erleichtern inzwischen einiges.

„Was nutzt mir eine vibrierende Ampel, wenn ich sie nicht finde.“

Orientierung für Blinde im Alltag heißt jedoch nicht nur sich im öffentlichen Raum zurecht zu finden. Bereits für Sehende kann die Bedienung von Alltagsgegenständen wie Haushaltsgeräten oder Unterhaltungselektronik mit Hürden verbunden sein. Schlechte Gebrauchstauglichkeit können sie jedoch oft mit visueller Orientierung ausgleichen. Blinde sind insbesondere auf durchdachte Bedienkonzepte angewiesen. Der Drehschalter einer Fahrzeugklimaanlage, der keinen Start- und Endpunkt kennt, sondern nur durch die Darstellung der Temperatur auf einer Digitalanzeige Feedback liefert, lässt einen Nicht-Sehenden ratlos zurück. Dass eine kluge Benutzerführung auch dem Autofahrer Erleichterung und somit Sicherheit bringen würde, da er den Regler ohne Blick auf die Anzeige steuern könnte, wird bei der Entwicklung einfach nicht bedacht. Es ist also anzuraten sich von der strikten Trennung nach Sehenden und Blinden zu verabschieden, wenn es um barrierefreie Bedienung geht. Beide Seiten sind „Betroffene“ nur eben aus unterschiedlichen Gesichtspunkten. Oder wie es Jörg Korinek so schön formulierte: "Barrierefreiheit heißt Verbesserung für alle."

„iPhone: zwei Glasplatten mit einem Blechrand außen rum.“

Die Vermutung liegt nahe, dass auf Grund der starken Zunahme von fingerbedienbaren Oberflächen (Touch-Bedienung) und der damit einhergehenden Verabschiedung von echten haptischen Knöpfen und Reglern für Blinde es immer schwerer wird. Dass es anders geht beweist Apple mit dem iPhone und Jörg demonstriert live in der Sendung, wie er mit seinem Smartphone interagiert.

Daneben unterhielten wir uns noch über einige weitere Punkte, z.B. über eine von Jörg Korineks Leidenschaften: das Tandem-Fahren. Wir danken Jörg für das tolle Gespräch sowie wieder einmal der Stadt Nürnberg für die Bereitstellung der Räumlichkeiten im KunstKulturQuartier.

Blindenuhr Bradley und wie sie funktioniert.

Hinweis: Wir danken Christian Hieke für das neue In- und Outro und Susanna „Susi“ Müller auch bekannt als „erotischste Stimme Deutschlands“ für den Einleitungstext. Wer mehr über beide erfahren möchte, der muss sich noch etwas gedulden. Wir stellen beide in einem gesonderten Artikel vor. Von unserer Seite aber schon einmal einen herzlichen Dank für die Mithilfe.

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