Vier Schauspieler, vier Gänge, vier Biere

Veröffentlicht am von
Brauherrentheater

Im Kloster gehen seltsame Dinge vor sich. Foto: © Alexandra Schunder

Das Brauherrentheater entführt mit seinem spritzigen, kurzweiligen Stück „Hopfen. Hexen? Halleluja!“ ins mittelalterliche Nürnberg im Jahre 1515.

Ja, der Franke und sein Bier – zwei untrennbar miteinander verbundene, eigenwillige Mixturen. Wer wissen möchte, welche Biersorten es gibt, wie sie sich historisch entwickelt haben, wie sie gebraut werden und was bei übermäßigem Konsum geschehen kann, der ist in der Hausbrauerei Altstadthof unter der Burg genau richtig.

Hier kann man nicht nur selbst testen, welcher Gerstensaft der leckerste ist, sondern wird auch noch bestens unterhalten, nämlich vom Brauherrentheater. Das entführt mit seinem spritzigen, kurzweiligen Stück „Hopfen. Hexen? Halleluja!“ ins mittelalterliche Nürnberg im Jahre 1515. Die Gäste finden sich im „Klosterhof der Angelinen“ wieder, wo sie die wackeren Nonnen zur „Armenspeisung“ begrüßen. Und so kann man nicht nur ein unterhaltsames Theaterstück über Hexenaberglauben, einen falschen Inquisitor, pfiffige Nürnberger Berühmtheiten und gefährliche Bamberger erleben, sondern sich auch kulinarisch verwöhnen lassen.

Theater-Impression Brauherrentheater

Über dem Klosterhof braut sich was zusammen. Foto: © Alexandra Schunder

Und vor allem diverse ungewöhnliche Spezialitäten des Hauses testen, vom süffigen Hellen über das feine Rotbier und das kräftige Schwarzbier bis hin zum heißen Gewürzbier mit fast orientalischer Note. Dazu werden vier wohlschmeckende Gänge kredenzt, bei denen kein Wunsch offen und kein Magen leer bleibt.

Begrüßt von der „Mutter Oberin“ nimmt man Platz und erfährt schon bald, dass in diesem Kloster seltsame Dinge vor sich gehen: Eine Nonne ist vom Turm gestürzt und tragisch gestorben, eine Kuh führt einen komischen Veitstanz auf und dann fliegt auch noch die benachbarte Destille in die Luft. Ob gar der Teufel dahinter steckt? Oder liegt es an der geheimen Brau-Rezeptur der etwas verwirrten Schwester Ambrosia? Nur hat die leider vergessen, wie sie ihr beliebtes „Gruitbier“ immer herstellte. Gemeinsam mit ihr, der Mutter Oberin und der jungen Schwester Hedwig, die jetzt die Klosterbrauerei übernommen hat, geht es auf eine spannende Spurensuche.

Sigi Wekerle als demente Schwester Ambrosia, trinkfreudiger Albrecht Dürer, verzweifelter Bauer, großzügiger Willibald Pirckheimer und finsterer Bamberger Folterknecht Igor ist eine Klasse für sich und zaubert etwas Name-der-Rose-Flair auf die Bühne. Kerstin Guttroff macht als Mutter Oberin Gundula eine strenge, zugleich aber gutherzige Figur und avanciert zur Seele des Stückes.

Der Inquisitor entdeckt den Alkohol

Dagmar Bittner spielt die junge Schwester Hedwig zuerst streng, dann stolz und schließlich verführerisch. Bleibt noch Florian Sußner. Er legt den spanischen Inquisitor, der in Wahrheit ein verkleideter fränkischer Pfarrer ist, geschickt als Typ an, der sich in Wahrheit mit seiner inneren Unsicherheit herumplagt, bis er erwacht und die Menschlichkeit - sowie den Alkohol - für sich entdeckt.

Nebenbei erfährt man, dass es zu jener Zeit, vor dem Reinheitsgebot, ganz üblich war, Speck, Eier, Wacholder, Schlehe, Eichenrinde, Wermut, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Enzian, Rosmarin oder Johanniskraut ins Gebräu zu geben - aber auch giftige Pflanzen wie Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche. Manche Mischungen erzeugten heftige Halluzinationen. Dergleichen muss man im Altstadthof natürlich nicht befürchten, sondern lässt es sich nach Herzenslust schmecken, ob Braten-Menü oder vegetarisch.

Und nebenher hat man sogar die Gelegenheit, sich ein wenig in die Handlung einzubringen und den Schauspielern Tipps zu geben, wie sie den übereifrigen Inquisitor besänftigen und von seinem Hexenwahn abbringen können.

Ein toller Spaß, der sich auch für Geburtstagsfeste, Firmenfeiern oder Einladungen im Freundeskreis empfiehlt.

Wieder zu sehen am 7.5. ab 18 Uhr in der Restaurant Bühne im Altstadthof, Bergstraße 19. Zur Homepage.

Plakat Hopfen. Hexen? Halleluja!

Plakat zu „Hopfen. Hexen? Halleluja!“ . Foto: © Klaus Vogl

Blog abonnieren
'Nürnberg und so' Blogfeed abonnieren

Zusätzlich zu dem Podcast stellt 'Nürnberg und so' auch immer wieder begleitende Geschichten und Informationen aus der Metropolregion Nürnberg vor.

Blog-Artikel als RSS Feed abonnieren

Du willst nichts verpassen?
Anmeldung E-Mail Newsletter 'Nürnberg und so'

Anmeldung zum E-Mail Newsletter

Sätze für die Ewigkeit
Podcast Nürnberg und so
Ich hatte 2 Tage Muskelkater, weil ich versucht habe Baklava selber zu machen.
Wolfgang Kießling in Sendung No. 11
Youtube war mein Lehrer.
Christian Ullrich in Sendung No. 26
Internat war Mittel zum Zweck.
Jörg Korinek in Sendung No. 32
Letzte Podcast Sendungen
Nürnberg und so

Jörg Korinek / Podcast-Sendung No. 32

Veröffentlicht am 05.05.2015

Den geborenen Göppinger lockte ein Praktikum in die Frankenmetropole. Dem Weg zum Informatik-Studium gingen einige bundesweite Schulaufenthalte voraus, bei denen er Orientierung gewann und diverse…

zur Sendung No. 32

Roland Rosenbauer / Podcast-Sendung No. 31

Veröffentlicht am 11.02.2015

Aus Cadolzburg kommend, finanzierte er sich mit dem "Ruf der Unendlichkeit" oder der "Rache des Knochenmannes" seine Schulzeit. Trotz BWL Studium landete er schließlich beim Jugendfunk des…

zur Sendung No. 31

Aktuelle Magazin-Artikel
Nürnberg und so

Olle Schule, dolle Schule: Die beiden Schulhäuser an der Sielstraße

Veröffentlicht am 13.11.2017

In der Baukunst geht der Wandel oft rasch vonstatten, etwa im Schulhausbau um 1900. An die Stelle monotoner Kästen traten damals malerische Baugruppen. In der Sielstraße an der Nürnberger…

weiterlesen

Steinerner Zeuge des alten Erlenstegen: Der „Goldene Stern“

Veröffentlicht am 30.10.2017

Für die meisten ist Erlenstegen das Nürnberger Nobelviertel schlechthin. Doch die Geschichte des Stadtteils reicht viel weiter zurück. Der „Goldene Stern“ im alten Ortskern ist ein kostbares…

weiterlesen

Verputzt und zugenäht: Ein Mietshaus in der Adamstraße

Veröffentlicht am 15.10.2017

Bis in die 1920er Jahre waren Putzfassaden in Nürnberg selten. Sandstein und Sichtziegel prägten das Stadtbild. An vielen Häusern verdeckte man die offenliegenden Baumaterialien später mit…

weiterlesen

Glanz und Gloria: Großbürgerliches Wohnen am Luitpoldhain

Veröffentlicht am 02.10.2017

Die Zeit um 1900 war die Epoche der Villen. Automobil und Nahverkehr ermöglichten das Wohnen draußen im Grünen, ohne auf die Vorzüge der Großstadt verzichten zu müssen. Beispiele der…

weiterlesen