Nah an Nürnberg, fern von Hektik: Wandern im Naturpark Altmühltal

Veröffentlicht am von
Wanderung fränkische Schweiz

Blick auf die Willibaldsburg in Eichstätt. Foto: © Lisa Schürmann

Nur eine Zugstunde von Nürnberg entfernt wartet mit der Region Altmühltal ein Eldorado der Entschleunigung auf alle mehr oder weniger gestressten Metropolregion-Bewohner. Die recht guten Zug- und Busanbindungen und die abwechslungsreiche Natur machen die Region zwischen Gunzenhausen und Kelheim zum idealen Urlaubsziel.

Ob man ein Stück des Panoramawegs wandert und dabei die Aussicht genießt, auf dem Fahrrad an Kalksteinfelsen, Burgen und Wäldern vorbeizieht, sich im Kanu gemächlich treiben lässt oder eine der Bootsrutschen hinunter flitzt: Langeweile kommt nicht auf.

Trotz der bundesweiten Bekanntheit der Region und der gut ausgebauten touristischen Infrastruktur habe ich das Altmühltal dennoch nie überlaufen erlebt. Dafür sorgen wohl die Weitläufigkeit der Gegend und die Tatsache, dass es abseits der Rad- und Wanderwege sehr geruhsam – wenn nicht manchmal gar verschlafen – zugeht.

„Ausgezeichnet“ – und das zu Recht!

Da aus beruflichen Gründen dieses Jahr kein Sommerurlaub drin ist, sollte es für meinen Freund und mich Anfang Juli zumindest für ein langes Wochenende in die Natur gehen. Unsere Wahl fiel auf den rund 200 Kilometer langen Altmühltal-Panoramaweg. Die Region kannte ich bereits von einer Drei-Tage-Radtour auf dem Altmühltal-Radweg. Nun wollten wir ein paar Etappen des Panoramaweges an drei Tagen erwandern – mit viel Ruhe und genug Zeit zum „links und rechts gucken“.

Altmühltal

Das Altmühltal im Panorama. Foto: © Lisa Schürmann (cc)

Der Altmühltal-Panoramaweg ist noch jung, er wurde erst Ende 2005 offiziell freigegeben. Neben 12 weiteren Fernwanderwegen wurde er vom Magazin „Top Trails of Germany“ zu den „schönsten Weitwanderwegen Deutschlands“ gekürt. Was immer man von Rankings und „schönster, bester, tollster“-Prädikaten halten mag, der Titel ist meiner Meinung nach durchaus verdient.

Natur pur und immer wieder Schmetterlinge

Allein auf der Strecke zwischen Pappenheim und Eichstätt beeindruckte uns die abwechslungsreiche Natur mit imposanten Felsformationen wie den 12 Aposteln bei Solnhofen, weiten Weizenfeldern, tiefgrünen Wäldern und vor allem Wiesen mit Wegwarte, Wacholder und Bienkraut sowie unzähligen Schmetterlingsarten.

Die besagten Schmetterlinge begegnen einem in Werbeprospekten, Speisekarten und als Hausverzierung überall auf dem Weg. Umso schöner, dass es sich dabei nicht nur um einen „Werbegag“ handelt.

„Slow Food“ für hungrige Wanderer

Der Altmühltal-Panoramaweg ist durchgängig gut ausgeschildert und trotz ein paar steilerer Anstiege angenehm zu laufen. Familien mit kleineren Kindern würde ich ihn allerdings nicht empfehlen, denn stellenweise ist durchaus Trittsicherheit gefragt. In den kleinen Städtchen und Dörfern laden zahlreiche Gasthöfe und Bauernhofcafés zum Verweilen ein.

Wir ließen es uns auf persönliche Empfehlung hin u.a. in der Pappenheimer „Sonne“ schmecken. Das seit einigen Jahren von Stefanie und Sven Glück geführte Gasthaus ist in der Region für seine ausgezeichnete fränkische Slow-Food-Küche bekannt.

Abwechslung am Wegesrand: Von Archaeopteryx bis Wasserrutsche

Es empfiehlt sich, für die Tagesetappen der Wanderung eher ein paar Kilometer weniger einzuplanen. Schließlich gibt es jenseits des Weges viel zu entdecken! Archaeopteryx: Der Urvogel mit dem schwer aussprechbaren Namen grüßt in Solnhofen von zahlreichen Hinweisschildern und aus gefühlt jedem zweiten Vorgarten. Mit seinen Merkmalen eines Sauriers sowie moderner Vögel gilt er als „Bindeglied der Evolution“. Im Jahr 1860 wurde das spektakuläre Fossil in Solnhofen entdeckt. Damals eine Sensation. Heute lädt die Solnhofener „Welt in Stein“ zur Reise in die Urzeit.

Das Klirren von Hammer und Meißel ist zu hören, wenn man auf den Höhen des Panoramaweges gen Eichstätt wandert. Im Fossiliensteinbruch des Museums Bergér können Groß und Klein auf Fossiliensuche gehen. Bewacht werden sie dabei von der gewaltigen Figur eines Raubsauriers. In dessen Schatten spielen die kleineren Kinder auf dem Spielplatz oder picknicken die Begleitpersonen; mit fantastischem Blick auf ihre Lieben, die – zum Glück nur für ein, zwei Stunden – im Steinbruch schuften müssen.

Fossiliensteinbruch

Fundstück im Fossiliensteinbruch. Foto: © Lisa Schürmann (cc)

Das Werkzeug kann am kleinen Kiosk des Fossiliensteinbruchs ausgeliehen werden. Zwar gibt es auch Waschgelegenheiten, doch ist zu älterer Kleidung und festem Schuhwerk zu raten. Wir treffen bei unserem Besuch zahlreiche stolze Fossilensucher – mit staubigen Schuhen und lehmiger Kleidung.

Wer nach dem vielen Stein Lust auf einen Elementen-Wechsel verspürt, der kann ein Stück der Route auch auf dem Wasser zurück legen. Nachdem wir bereits am Nachmittag unser Etappenziel Dollnstein erreichten mieteten wir dort bei Gegg‘s Bootsverleih ein Kanu und ließen uns zurück nach Altendorf bringen. Die knapp sieben Kilometer bis Dollnstein bieten neben Vogelgezwitscher, Wassergeplätscher und toller Aussicht auf Felsen auch zwei schnelle Bootsrutschen.

„Etappe für Etappe“ oder Tagestour

Die Verantwortlichen des Naturparks Altmühltal haben den Panoramaweg in 15 Etappen unterteilt, die je nach Kondition erwandert werden können. Hier bieten sich entweder eine bis anderthalb Wochen Urlaub an. Oder aber man erwandert sich die Strecken – wie wir – nach und nach an mehreren langen Wochenenden, vielleicht sogar zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

Eine Unterkunft zu finden ist nicht schwer: Neben Ferienwohnungen, Hotels, Campingplätzen und Jugendherberge gibt es schier unendlich viele Privatpensionen. Für wenig Geld bieten sie nicht immer, aber sehr oft, einen überzeugenden Service, leckeres Frühstück und individuellen Charme. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, zu reservieren, denn sonst hängt man bei eher mäßigem Empfang unnötig lange am Smartphone.

Wer nicht gerne mit Gepäck wandert oder nach mehreren Tagen Knieprobleme bekommt kann stattdessen auch eine Tageswanderung in Angriff nehmen. Hier gibt es unterschiedlichste Varianten für alle Schwierigkeitsgrade; empfehlenswert sind z.B. die 16 Schlaufenwege direkt am Altmühltal-Panoramaweg.

Wofür auch immer man sich entscheidet, ein Besuch im Altmühltal ist definitiv eine gute Wahl.

Wanderung Fränkische Schweiz Impression

Durch Wandern zur Entschleunigung. Foto: © Lisa Schürmann (cc)

Blog abonnieren
'Nürnberg und so' Blogfeed abonnieren

Zusätzlich zu dem Podcast stellt 'Nürnberg und so' auch immer wieder begleitende Geschichten und Informationen aus der Metropolregion Nürnberg vor.

Blog-Artikel als RSS Feed abonnieren

Du willst nichts verpassen?
Anmeldung E-Mail Newsletter 'Nürnberg und so'

Anmeldung zum E-Mail Newsletter

Sätze für die Ewigkeit
Podcast Nürnberg und so
Vom Berliner Flughafen und der Elbphilharmonie sollten wir besser nicht lernen.
Ulrich Maly in Sendung No. 20
Ich habe Bücher über Kaffee gefressen.
Christian Ullrich in Sendung No. 26
Der Alfred ist gerade in der Brunftzeit.
Sven Kuntzsch in Sendung No. 28
Letzte Podcast Sendungen
Nürnberg und so

Jörg Korinek / Podcast-Sendung No. 32

Veröffentlicht am 05.05.2015

Den geborenen Göppinger lockte ein Praktikum in die Frankenmetropole. Dem Weg zum Informatik-Studium gingen einige bundesweite Schulaufenthalte voraus, bei denen er Orientierung gewann und diverse…

zur Sendung No. 32

Roland Rosenbauer / Podcast-Sendung No. 31

Veröffentlicht am 11.02.2015

Aus Cadolzburg kommend, finanzierte er sich mit dem "Ruf der Unendlichkeit" oder der "Rache des Knochenmannes" seine Schulzeit. Trotz BWL Studium landete er schließlich beim Jugendfunk des…

zur Sendung No. 31

Aktuelle Magazin-Artikel
Nürnberg und so

Olle Schule, dolle Schule: Die beiden Schulhäuser an der Sielstraße

Veröffentlicht am 13.11.2017

In der Baukunst geht der Wandel oft rasch vonstatten, etwa im Schulhausbau um 1900. An die Stelle monotoner Kästen traten damals malerische Baugruppen. In der Sielstraße an der Nürnberger…

weiterlesen

Steinerner Zeuge des alten Erlenstegen: Der „Goldene Stern“

Veröffentlicht am 30.10.2017

Für die meisten ist Erlenstegen das Nürnberger Nobelviertel schlechthin. Doch die Geschichte des Stadtteils reicht viel weiter zurück. Der „Goldene Stern“ im alten Ortskern ist ein kostbares…

weiterlesen

Verputzt und zugenäht: Ein Mietshaus in der Adamstraße

Veröffentlicht am 15.10.2017

Bis in die 1920er Jahre waren Putzfassaden in Nürnberg selten. Sandstein und Sichtziegel prägten das Stadtbild. An vielen Häusern verdeckte man die offenliegenden Baumaterialien später mit…

weiterlesen

Glanz und Gloria: Großbürgerliches Wohnen am Luitpoldhain

Veröffentlicht am 02.10.2017

Die Zeit um 1900 war die Epoche der Villen. Automobil und Nahverkehr ermöglichten das Wohnen draußen im Grünen, ohne auf die Vorzüge der Großstadt verzichten zu müssen. Beispiele der…

weiterlesen